Jahresrückblick 2012


Im Dezember ist es keine Kunst. Am Jahresanfang ist es echte Wunst.

 

Februar:

Modernisierunggsdruck durch Mitgliederschwund: Unser Papst Bene betet öffentlich gegen ACTA und die Internetzensur.

Modernisierung ja, aber: "Auch bei der neuen Technik darf man nichts verhüten"

 

März:

Siri gewinnt als parteilose Präsidentschaftskandidatin die Vorwahlen in iDaho.

Ihr Kommentar:

Siri, wer wird Deiner Meinung nach US Präsident?

 

April:

Assad tritt auf Seiten Israels in den Krieg gegen Ägypten ein.

Aufschwung für Nahost-Roadmap: "Wann wir schreiten Seit' an Seit'"

Aufschwung für Nahost-Roadmap: "Wann wir schreiten Seit' an Seit'"

 

Mai:

Die geschätzte Erdölmenge in Brandenburg wird durch die Probebohrungen bestätigt,  die Spekulationen sorgen für einen Eurokurs von 3,71  USD

Peak Oil war gestern. CEP macht Pepp in Goyatz und katapultiert Deutschland in die Beletage der Energieriesen.

Juni:

Die neue europäische Ratingagentur “Acker & Berge”  stuft die Bonität der Deutschen Bank nach dem Vorstandswechsel auf “C” herunter. Griechenland verzichtet darauf, die Drachme wieder einzuführen, um Deutschland zu retten. “Wir vergessen nicht die Hilfe aus dem Land unserer Ottos” (Anmerkung der Red.: des ersten griechischen Königs und des ersten Europameistermachers)

Acker & Berger: raten macht lustig

 

Juli:

Die evangelische Kirche Deutschlands (EKD) tritt pünktlich zum Beginn des Ramadan geschlossen zum Islam über. Gewagt: Merkel mit Burka in Bayreuth.

Das erste Mal mit Galaburka ist noch etwas schwierig.

 

August:

Nordkoreas geliebter Führer Kim Jong Un gewnnt olympisches Gold im Basketball.

Der Führer demonstriert seine Dribbeltaktik

 

September:

1. Gesetz zur Regelung des Weihnachtsvorverkaufs (WeihVVKGB) tritt in Kraft; vom Volksmund auch: die Spekulatius-Bulle genannt. Danach gilt: Kein Marzipan vor Sankt Martin, keine Erzengelchen vor Erntedank

Das ist nach WeihVVKGB nur noch auf der Südhalbkugel erlaubt

 

Oktober:

Iran bleibt im Atomkonflikt weiter unnachgiebig. Japan entsendet Tepco-Delegation.

Trotz großer Temperaturunterschiede fällt es den japanischen Ingenieurinnen und Ingenieuren einigermaßen leicht, sich den örtlichen Bekleidungsgewohnheiten anzupassen. Hauptsache, bedeckt.

 

November:

Schaden für das oberste Staatsamt gerade noch beizeiten abgewendet: Guttenberg spricht Wulff  in Bamberg frei.

Endlich in neuer Rolle zurück um Deutschland zu retten: Käpt'n Kalle Theodor zu Guttenberg

 

Dezember:

Erkältungswelle in Katar torpediert Klimaschutz erneut:
Die Weltklimakonferenz in Doha fällt aus; zu viele Referenten leiden an, ähm, Schnupfen durch extreme Klimawechsel bei der Anreise.

 

Hillary hustet,

Stoe schnupft,

Nakagawa niest (oder ist betrunken)

 

… Januar 2013:

Neue Medien immer dreister! Nach den digitalen Stürzen von  Imperatoren wie Mubarak, Gadafi und Koch-Mehrin überholt der Einfluss des Web 2.0 sogar noch die Presse: Jahresrückblicke wurden, wie jetzt bekannt wurde, schon 11 Monate vorausgeplant und, durch soziale Netzwerke koordiniert, von der Internetgesellschaft erzwungen.


Die Weisheit des Weltwirtschaftsforums (Wirtschaft für Dummies, Teil 1)

Das Weltwirtschaftsforum WEF erstellt zusammen mit ein paar Finanz- und Forschungsinstituten jährlich einen Bericht über die globalen Risiken.

50 Risiken werden von den Finanzweisen nach Wahrscheinlichkeit (Likelihood) und Relevanz (Impact), also der Bedeutung, wenn das Risiko eintritt, beurteilt. Die Grundlage für Listenaufnahme und Bewertung ist, so heisst es im Risikoreport: “…based on a revamped methodology combining surveys, workshops and interviews that engage various stakeholders of the World Economic Forum.” Also: “ein aufgemöbelter Methodenmix aus Umfragen, Workshops und Interviews irgendwelcher Leute, die mit uns zu tun haben”.
Hauptsächlich scheint dabei das herauszukommen, was aufgrund entsprechender medialer Aufmerksamkeit in den Köpfen herumspukt: So bestanden für 2011 die Top Five hauptsächlich aus Klima- und Ökorisiken – die zwar viel rezipiert wurden, aber weniger eintraten. Für 2012 gibt es wieder Währungscrashpanik in den Zeitungsmänteln, und schwupps erhalten wieder Finanz- und Wirtschaftsthemen die meiste Aufmerksamkeit (s. Graph).
Also, wie das an den Finanzmärkten halt so ist, entscheidend ist wohl so ein Mixmedial befeuerter Bauchpsychologie.

Das macht es aber auch wiederum interessant – als Seismograph des Weltvolksbefindens. Das zeigt für 2012 an der Spitze der Angst (also mit größter Wahrscheinlichkeit eintretend) große Einkommensungleichheiten.

Die fünf wahrscheinlichsten Risiken für die Welt im Jahr 2012

Die fünf wahrscheinlichsten Risiken für die Welt im Jahr 2012 (Quelle: WEF)

Weiterhin eher wahrscheinlich (Likelihood >3) sind u.a. folgende Risiken – ohne die technischen und ökologischen wie z.B. Klimakonsequenzen – sortiert nach ihrer “kapitalen” Bedeutung (also Höhe des Impact):

  • Major systemic financial failure / Finanzsystem-GAU
  • Foodshortage crisis / Nahrungsmittelknappheit
  • Extreme volatility in energy and agriculture prices / Extreme Preisschwankungen für Energie und Landwirtschaftserzeugnisse
  • Global governance failure / Versagen der globalen Steuerung
  • Terrorism / Terrorismus
  • Unsustainable population growth / Bevölkerungsexplosion
  • Rising religious fanatism / steigender religiöser Fanatismus
  • Chronic labour market imbalances / Beständige Arbeitsmarktschwankungen
  • Unmanaged migration / Unkontrollierte Migration
  • Mismanaged urbaniziation / Fehlgeleitete Stadtentwicklung
  • Backlash against globalization / Gegenreaktion (Widerstand) gegen Globalisierung

Was heisst das?
Außer, daß ein FinanzGAU echt sch…. wäre für die Wirtschaft?

Auch darüber hat man sich natürlich (Bauch-)Gedanken gemacht:

Landkarte der Systemrelevanz der Risikobewertungen

Landkarte der Systemrelevanz der Risikobewertungen (Quelle: WEF)

Häh? Uninterpretierbare Wirtschaftszusammenhänge?
Wunstwerk hilft!

Verteilungsungerechtigkeit bei Essen und Wasser sind gut dazu geeignet, das Überleben zu gefährden und Menschen damit nicht nur ihrer Zufriedenheit, sondern auch ihrer Trägheit zu berauben, sich gegen diese Verhältnisse aufzulehnen.

-> Starke Preisveränderungen für Energie und Landwirtschaftsprodukte führen dazu, dass die Zahl der Betroffenen steigt – und dass bei den noch nicht so Betroffenen die Angst davor geschürt wird, zu denen zu gehören, die sich den teureren Preis dann nicht mehr leisten können. Also sinkende Zufriedenheit in der unteren Mittelschicht durch gefühlte Existenzbedrohung und eine wachsende Unterschicht.

-> Bevölkerungswachstum spitzt die Verteilungsprobleme noch weiter zu.

Die globalen Steuerungsmechansimen können das Problem nicht mehr regulieren.

-> Flucht (schöner gesagt: unkontrollierte Migration).

-> In die Städte. Zusätzliches Versagen der Stadtentwicklung. Slums.

Arbeitsmarktsausschläge treiben die Mittelschicht entweder nach unten durch Arbeitslosigkeit. Oder dazu, aus Angst vor selbiger, nach unten dicht zu machen. “Wenn die Unterschicht nicht hochkommt, bleiben wir vielleicht oben.”
Die Aufgeklärteren verlieren die Loyalität zum (Wirtschafts)System (Backlash).

-> Chancenlosigkeit und Demütigung der Unterschicht steigen.

-> Die wachsenden Massen wenden sich gegen das System (Backlash), werden (religiös) radikal und gewaltbereit (Terrorismus).

… dabei nicht gelistet oder in der Landkarte des WEF: die Reichen werden immer reicher, bringen ihren Reichtum aber nicht in den Wirtschaftskreislauf ein. Kein Konsum -> kein Wachstum -> weniger Kapital zirkuliert -> Schulden steigen.

Bis auf Letzteres weiß das der WEF aber offensichtlich. Und, wie heißt es am Ende der executive summary so schön: “This report serves as the research base on which the Risk Response Network works together on mapping, monitoring, managing and mitigating global risks.”
Aha, das öffentlich irgendwie völlig unbekannte Risiko-Reaktionsnetzwerk des Weltwirtschaftsforums managed und entschärft also diese Risiken für uns. Keine Panik, die kümmern sich. Die sind es selbst, die uns alle retten und so, die Klimakatastrophen sind ja auch nicht eingetreten letztes Jahr. (Sind das jetzt die wahren Drahtzieher hinter allem, die geheime Weltregierung?)
Das kapitalistische Räderwerk funktioniert also doch! Und zwar vereinfacht und ohne Umwelt- oder dedizierte Finanzmarkteinflüsse sieht das Risikenfresko so aus:

Weltkrisenwerk by Wunstwerk (vereinfacht)

Das, was da so rot ist, das ist unser sozialer Frieden.

(Fortsetzung folgt)

———————————————-

Eine positive Randnotiz (fürs gesunde Volksempfinden): Failure of intellectual property regime / Versagen des Urheberrechtsystems:
Der Impact dieses Risikos wurde als sagenhaft niedrig bewertet (2.74 von 5). Sprich: vergleichsweise unwichtig.


Die Kinder in Afrika wären froh, wenn sie eine Ilse Aigner hätten

Wer für die CSU arbeitet, ist schon von Haus aus zu einem etwas deftigerem Umgangston verpflichtet. Wer noch dazu Bundesministerin für Landwirtschaft ist, der kann gerne noch eine Schippe Einfalt und Durchtriebenheit drauf legen: An Demonstranten, die in Berlin am Samstag unter dem Motto “Wir haben es satt! Bauernhöfe statt Agrarindustrie” auf die Straße gingen, hat Ilse Aigner eine verbale Watschen verteilt:

“Ja, die hier demonstrieren, mögen satt sein, aber eine Milliarde Menschen auf dieser Welt sind es nicht” (taz)

Weiter fasst die taz an gleicher Stelle zusammen:

Mit dem Hunger in Entwicklungsländern begründen Aigner und der konservative Bauernverband ihr Plädoyer dafür, auch in Deutschland mehr Kalorien etwa in Form von Fleisch zu produzieren.

Das Kalb hat zwischen die Zeilen gehört. Hier eine freie Übersetzung dieser frohen Botschaft: Was fällt euch eigentlich ein, hier für so einen Muckenschiß auf die Straße zu rennen, während die armen Kinder in Afrika froh wären, wenn die Industrieländer endlich noch mehr noch billigeres Fleisch produzieren. Wieso wollt ihr nicht einsehen, dass wir einfach nur das tun müssen, was die Agrarlobby uns sagt!?

Nicht genug, dass Ilse Aigner kritische Haltungen einfach wegbuttern will und dabei auf eine kleinkindliche Argumentation zurückgreift, mit der Mütter ihre Sprösslinge zur Nahrungsaufnahme zwingen wollen. Sie stellt dabei eine Einfalt zur Schau, die ihresgleichen sucht: Ehec? Schweinevogelgrippe? Antibiotika im Futter? Dioxin in Eiern? War da was? Nicht einmal in Ansätzen möchte die Ministerin in den Verdacht geraten, die industriemäßige Produktion von Agrargütern könnte unter Umständen vielleicht ein Teil des Problems sein. Etwa, weil das perverse System unserer subventionierten Nahrungsmittelexporte die einheimische Landwirtschaft in Entwicklungsländern mit Dumpingpreisen brutal an die Wand drückt. (Zum Beispiel Benin gibt es einen weiteren, sehr lesenswerten Artikel in der taz.)

Die Aussage von Ilse Aigner ist daher mehr als schafsdummer Zynismus: sie zeigt einmal mehr, in welchem Ausmaß unsere Politiker inzwischen zum politischen Arm global agierender Wirtschaftsunternehmen geworden sind. Wie sehr unsere Welt zu einem Ort geworden ist, in dem nur noch die Vorgaben des Profits Gültigkeit besitzen und Dinge wie Menschlichkeit und Mitgefühl nur noch in Sonntagsreden ihren Platz finden.

Bon Appetit.


Raffzahnwatch

Nachdem an dieser Stelle letzte Woche bereits ein eindrucksvolles Beispiel für die Raffgier unter dem ernannten Führungspersonals unserer Gesellschaft zu lesen war, muss das Thema “jeder raffe soviel er kann” schon wieder angesprochen werden. Der Zufall wollte es, dass ich nach einer sehr gelungenen Thesensammlung zur Ausplünderung der Gesellschaft (Süddeutsche) von Ingo Schulze beim Spiegel über folgende Meldung stolperte: Top-Manager kassieren Millionen-Pensionen. Demnach haben sich die Pensionsansprüche der DAX-Chefs in den letzten 15 Jahren hübsch verdoppelt. Ein Herr Zetsche von Daimler kann mit Ansprüchen in Höhe von 26,1 Millionen Euro rechnen. Jeder der 30 DAX-Chefs kann mit mindestens einer halben Millionen Euro pro Jahr planen.

Der brave Arbeitnehmer darf sich seit dem ersten Januar hingegen auf eine Rente mit 67 einstellen und dabei ruhig etwas zittern, ob das Geld bis dahin noch etwas wert ist. Ein “Standardrentner” (mit 45 Beitragsjahren – die nur von einer Minderheit überhaupt erreicht wird) müsste nach der Pensionierung noch knappe 1800 Jahre weiter leben, um auf eine zetschesche Rentenauszahlung zu kommen.

Aber hier soll keine Neiddebatte angefacht werden. Schließlich müssen unsere Eliten diese Summen verdienen, da sie große Verantwortung tragen und mit ihrer fast schon übermenschlichen Leistung das System am Laufen halten. Irgendwo müssen ja diese rießigen Summen herkommen, die an den Finanzmärkten verzockt werden (gerade spekulieren die Hedgefonds z. B. auf eine Pleite Griechenlands, SZ). Und wenn die dabei auflaufenden Spielschulden nicht so aberwitzig hoch wären, könnte man die Gemeinschaft (aka den kleinen Mann) nicht so frech zum Bezahlen in die Pflicht nehmen, uns nicht mit Gerede von Sparzwängen und enger zu schnallenden Gürteln in die Laune zu zwingen, für die immer schlechter werdenden Arbeitsbedingungen und verrottende Gemeinschaftsgüter auch noch dankbar sein zu sollen.

Wo ist eigentlich diese vielbesungene Moral, wenn man sie tatsächlich einmal braucht?


Doppelsonnen und Bettina Wulff

Wunstwerks Kommentar zm Freitag

Ob Frau Wulff Prostituierte war oder ist, ist mir ganz schön egal.
Aber halt, darf es das eigentlich?

Ohne theoretische Erörterung des “Das Private ist Politisch”-Schismas – kratzt es (noch mehr) am Herrn Wulff, wenn vielleicht seine Frau von Freiern Gefälligkeiten arrangierte, was obligat und Usus sein dürfte Geschäft des “Gefälligseins”? Hat sie vielleicht gar seine Geldgeber bedient? Die Bundesversammlung beblasen? [Häme off]

Ach ja, errgender als Vorteilsanschaffung ist ja mittlerweile die versuchte Pressebeschränkung. Einschüchterung der frei flottierenden Medien durch das Staatsorgan. Ich bitte Sie. Die Gebärden eines Staatsoberhauptes Wulff sind doch milchzahnlos. Was sollte er denn tun als mit dem Fuße aufstampfen und wehklagen? Genau das tat er. Der endgültige Bruch dräut, auweia. Mit Strafrecht ist der Springerverlag ja stets kleinzukriegen. Daneben? Zweifelsohne. Aber doch kein oioioi, warning vor Zensurgesellschaft. Dass Sat1 nun auf seine Intervention den Bericht über Miss Betty zurückhielt, wie kolportiert halten Sie und ich doch für einen reinen Trittbrett-Eigenhype des Senders. Ansonsten selbst schuld. Sie und Sat1. Meine Damen und Herren der Medien, lassen sie mal ein bisschen Luft raus aus ihrem sicherlich gefundenen Soufflè.

Aber zurück zur Frage der Bundeswulffs. Ist es schon rein moralisch ein Problem, käufliche Liebe an der Seite, so als hoher C-Politiker? Dem reinen Glauben nach ist Vergebung die oberste Direktive, also dürfte das kirchlich formalisierte C nicht das Problem sein. Zu schweigen von Fällen von Jugendeskapaden (über 18, versteht sich) oder Vielfach-Serien-Ehen. Aber nun das Staatsoberhaupt… wenn es wenigstens nur ein Ministerpräsident gewesen wäre… äh…

Mja, ist wohl von Augenmerk, was so eine Angetraute tut. Vor allem besser nicht zu viel. Böll legte seinen Politfrauen (vor Flusslandschaft) in den Mund, jenen nur zu (Schön-)Wetterbekundungen öffentlich zu öffnen, damit der Staatssegen nicht schiefhänge. Offensichtliche Doppelgestirne mit einer Hillu oder Hillary funktionierten ebenfalls nicht. Carla Bruni inszeniert sich irgendwie dazwischen, singt aber auch nicht mehr als Präsidentengattin. War vielleicht auch nicht die Hauptverwirklichung. Nur unser Joachim Sauer hat noch seine wissenschaftliche Karriere. Er steht sogar noch neben Veranstaltungen im Vorlesungsverzeichnis der HU, wenn auch mit leerem Vorlesungsstundenplan. Hm, sagen wir, der Fall ist unentschieden.

Sie und ich konstatieren hier: Doppelgestirne in der Politik sind schon die Regel, aber nur mit fixen Positionen. Und wenn wir hier schon mal nicht gleich eine biologische Parallele zum alpha-Sozialkodex haben, so dafür ganz aktuell eine astronomische. Statt “wie im Tierreich” ist es nämlich, noch gravider, “wie am Himmel”: Millionen Planeten unserer Milchstraße umkreisen nicht nur eine, sondern zwei Sonnen. Klappt mit dem richtigen Abstand, und eine ist meist ein bisschen kleiner und halb verdeckt. Dies kann man hochrechnen von den zwei entdeckten Doppelsonnenplaneten unter den jahrelang von Kepler beobachteten 100 Millionen Sternen und ihren durchschnittlich 1,6 Trabanten (sind die Planeten mit den Doppelsonnen jetzt da schon rausgerechnet?).  Von diesen 75-160 Millionen Planeten um die Milchstraßengestirne sind allerdings erst ein paar hundert Exoplaneten nachgewiesen, auf welchen Leben möglich wäre.
Ein Schelm, wer dabei weiter in Parallelen denkt…

Consecutio:  Folgerichtig ist es mir nicht egal, ob die deutsche Wulffin anschafft.
Wenn es denn so wäre, ein Schwuler als Ministerpräsident und als Außenminister, eine Frau Kanzlerin und eine Hure als first Lady,
dann, ja dann möchtete ich fast sagen, ich sei stolz, Deutsch zu sein.


Guten Freunden gibt man ein Pöstchen

Während der Bundespräsident das Vertrauen der Bevölkerung in die politische Klasse im Rampenlicht zu ruinieren geruht, gehen andere da etwas verdeckter, aber umso nassforscher vor. Da wäre zum Beispiel das Prachtexemplar eines Politikers: Dirk Niebel, seines Zeichens Feldmarschall Minister für Entwicklungshilfe. In keinem Bericht über ihn fehlt die Randnotiz, er habe noch kurz vor seiner Berufung die Abschaffung dieses Amtes gefordert. Was nicht erzählt wird, ist, dass er diesen Plan erfolgreich umsetzt. Merkel hat nicht nur den Bock zum Gärtner ernannt. Sie sieht auch noch gemütlich dabei zu, wie er alle seine Freunde zu einer Party einlädt, bevor er durch die Beete marodiert. Natürlich kann man so ein Ministerium nicht einfach auflösen, aber man kann es prima von innen aushöhlen und dabei ganz nebenbei einen guten Schnitt machen. Doch eines nach dem anderen:

Niebel interpretierte sein Amt von Anfang an konsequent als Mischung aus Außen- und Wirtschaftsministerium. Hilfe gibt es nur, wenn am Ende ein Plus unter dem Strich steht. Kernkompetenzen des Ressorts wurden flugs umdefiniert und Bündnispartner im Ausland mit gebrochenen Zusagen vor den Kopf gestoßen (Stichwort Yasuni-Regenwald-Fond). Eingefleischte Gegner bezeichnen ihn daher auch als “Entwicklungsverhinderungsminister” (Heike Hänsel, die Linke).

Wohlwollend gestimmte Gemüter halten ihm zugute, dass hier endlich einmal jemand bemüht ist, knappes Steuergeld möglichst effektiv einzusetzen. Jubelnd freuen sie sich mit, wenn sich einer als eiserner Sparhans gebärdet und lauthals fordert, dass derjenige, der Geld vom Staat für Hilfsprojekte in Anspruch nehme, auch dessen Bedingungen akzeptieren müsse (zitiert nach greenpeace-Magazin).

Doch leider endet das hohe Lied der Wirtschaftlichkeit am Saum der eigenen Tasche. Völlig unverfroren schafft Niebel das Ministerium ab, indem er es zur fröhlichen Versorgungsanstalt für eigene Parteileute und alte Weggefährten umbaut. Schon kurz nach Amtsantritt stand er in der Kritik, weil er die Posten in seinem Ministerium über das normale Maß hinaus mit FDP-Vertrauten besetzte. Sogar Politiker aus der Union kritisierten ihn dafür und warfen ihm vor, das Parteibuch über Expertise und persönliche Exzellenz zu stellen (Dagmar Wöhrl, CSU, zitiert nach Wirtschaftswoche).

Jetzt hat Report München herausgefunden (siehe auch telepolis), dass auch in diesem Jahr 180 neue Stellen im Entwicklungsministerium geschaffen werden. Sogar eine Abteilung für “Planung und Kommunikation” wird eigens neu aus dem Boden gestampft. Müßig zu erwähnen, dass viele der neuen Spitzenpositionen in erster Linie guten alten Freunden und Bekannten der Partei zugedacht sind. Jetzt, wo die FDP im 2-Prozent-Umfragenpermafrost fest hängt, bringt Niebel noch schnell ein paar Schäfchen ins Trockene. Denn schließlich werden hohe Ämter zumeist auf Lebenszeit vergeben und sind selbstverständlich auch mit hohen Pensionsansprüchen garniert. Die Renten vieler FDP-Freunde wären also gesichert. Dass sich ausgerechnet die Partei der Eigenverantwortung und der privaten Vorsorge zur Absicherung des eigenen Klientels so hemmungslos auf die Staatskasse zugreift, zeigt, was mit dem wohlfeilen Gerede von Chancengleichkeit, Liberalität und Leistungsprinzip tatsächlich gemeint ist: Jeder raffe an sich, so viel er kann!

Und weil diese Postenbescherung alleine nicht schon frech genug wäre, hat man (zusammen mit der Union) vor Weihnachten noch heimlich, still und leise ein bereits abgeschafftes Versorgungsgesetz reaktiviert, das die Renten hoher Beamten um bis zu 600 Euro im Monat aufstockt, auch wenn sie nur kurz für ein Ministerium gearbeitet haben (nach § 54 des Bundesbeamtengesetzes (BBG) können politische Beamte jederzeit in den Ruhestand versetzt werden). Ins Bild passt auch noch, dass die FDP-geführten Ministerien in Berlin zwei Drittel der politischen Beamten beherbergen. Wohl bekommt’s!

Im Beitrag von Report München bringt es Professor Hans Herbert von Arnim von der Hochschule für Verwaltungswissenschaften (ja, so etwas gibt es!) auf den nüchternen, aber präzisen Punkt:

"Da herrscht massive parteipolitische Ämterpatronage. Da werden Ämter und die auf Lebenszeit besetzten politischen Beamtenstellen für Parteizwecke missbraucht. Das ist zum Teil rechts- und verfassungswidrig."

Ich kann es gar nicht erwarten, dass diese selbsternannte und -herrliche “Leistungselitenpartei” endlich in der wohlverdienten Bedeutungslosigkeit versinkt und hoffe, dass dabei nicht noch größere Schäden an der Staatskasse entstehen. Der Schaden am Vertrauen in die Politiker ist ohnehin vernachlässigbar, da sich, nach meinem mathematischen Wissen, von einer leeren Menge nichts mehr abziehen lässt.

Update: Bei der taz gibt es noch einen weiteren interessanten Beitrag zur Besetzungspolitik Dirk Niebels.


Bestandteile eines Bundespräsidenten in der öffentlichen Wahrnehmung

Nachdem nun die BILD-Zeitung unser höchstes Staatsoberhaupt am Nasenring durch die Manege zieht; nachdem selbiger nicht den Hauch einer Ahnung hat, was eigentlich alle wollen; nachdem die ganze Öffentlichkeit verwundert den Kopf schüttelt (ganz schön beweglich, so eine Öffentlichkeit); nachdem bald auch der letzte Kreisratspolitiker mit halbwegs intakter Ambition dem ersten Mann im Staat einen hilfreichen Ratschlag erteilt hat; nachdem der “normale Bürger” vom vielen Abwinken angesichts politischer Skandale und Skandälchen langsam eine steife Hand bekommt – nach all’ dem  verliert man schon einmal die Übersicht, was ein Bundespräsident eigentlich ist. Die folgende Infografik soll da helfen, nicht den Überblick zu verlieren. Nichts zu danken.

Bestandteile eines Bundespräsidenten in der öffentlichen Wahrnehmung


Schmales Rückgrat (*punk*)

Warum habe ich nie in einer Punkband gesungen? Ärzte.

1. schriebst du mir mal nen liebesbrief, ich würd ihn zerreissen
hielt’st du den kleinen finger hin, ich würde ihn abbeissen
böt’st du mir händchenhalten an, tät’ ich es ablehnen
wöllt’st du mich auf dem buckel trag’n, auf’n arm würd ich dich nehmen

auf’n arm, nicht beim wort würd’ ich dich nehmen
auf’n arm, nicht beim wort,
rutsch vom buckel mir sofort
wende den arsch himmelwärts
ich klistier’ dir deinen schmerz
denn mein rücken, der ist schmal
nur die hüften sind normal

2. kämst du mir mit parteiprogramm, ich würde bloß weghören
wärst du in ‘nem geheimbund drin, ich würd’ nicht mit-verschwören
fingst du vom rechten glauben an, würde ich ausschlagen
hältst du auf “ordnung der natur”? – versuch’ die einzuklagen

klag doch an, du jammerst schon zu viel rum
klag doch an, du  jammerst schon
zu viel von determination
wende den arsch himmelwärts
ich klistier’ dir deinen schmerz
denn mein rücken, der ist schmal
nur die hüften sind normal

3. stell’ du nicht noch mehr regeln auf, deiner ängste wegen
legtest du mir dogmen aus, ich könnt’ dich widerlegen
hacktest du auf mir herum, würd’ ich’s mir nicht geben
und am honig um dein maul bleib’ ich erst recht nicht kleben

herrsche nicht über mich, ich lass’ dich nicht
herrsche nicht über mich
nur aus sicherheit für dich
wende den arsch himmelwärts
ich klistier’ dir deinen schmerz
denn mein rücken, der ist schmal
nur der freiheitsdrang normal


Schau mich nicht an (lernen: lebenslänglich)

Da ich doch Amibtionen in mir vorgefunden habe, begab ich mich auf die Jagd nach den besten Weiterbildungshappen im Teich; wie es gute Gepflogenheit zum Jahresausklang ist.

Von einer Digitaltrainerin namens “Die Webagentin” lief mir der Flundersatz vor die Angel:
wer im www was werden will, kommt um lll nicht herum” .
Life long learning, nämlich.

Habe mir gleich einen gebrauchten Bleistift bestellt und werde jetzt Texter.
Vielleicht nicht so toll wie die Webagentin.
Aber für Kaffeebecher & T-shirts. Irgendjemand verdient sich doch damit dämlich, oder?
Das werde jetzt ich:

Ich hasse bedruckte Tassen

Mein künftiger Trinkbecher Dauerschlager

 

Und mein erstes T-Shirt wird heißen:

...and don't talk to me

...and don't talk to me


Rückschauprognöslein

Die bösen Männer sind gestorben wie die Fliegen

Wird trotzdem nix besser wer’n

——–


Follow

Get every new post delivered to your Inbox.