Die Kinder in Afrika wären froh, wenn sie eine Ilse Aigner hätten

Wer für die CSU arbeitet, ist schon von Haus aus zu einem etwas deftigerem Umgangston verpflichtet. Wer noch dazu Bundesministerin für Landwirtschaft ist, der kann gerne noch eine Schippe Einfalt und Durchtriebenheit drauf legen: An Demonstranten, die in Berlin am Samstag unter dem Motto „Wir haben es satt! Bauernhöfe statt Agrarindustrie“ auf die Straße gingen, hat Ilse Aigner eine verbale Watschen verteilt:

„Ja, die hier demonstrieren, mögen satt sein, aber eine Milliarde Menschen auf dieser Welt sind es nicht“ (taz)

Weiter fasst die taz an gleicher Stelle zusammen:

Mit dem Hunger in Entwicklungsländern begründen Aigner und der konservative Bauernverband ihr Plädoyer dafür, auch in Deutschland mehr Kalorien etwa in Form von Fleisch zu produzieren.

Das Kalb hat zwischen die Zeilen gehört. Hier eine freie Übersetzung dieser frohen Botschaft: Was fällt euch eigentlich ein, hier für so einen Muckenschiß auf die Straße zu rennen, während die armen Kinder in Afrika froh wären, wenn die Industrieländer endlich noch mehr noch billigeres Fleisch produzieren. Wieso wollt ihr nicht einsehen, dass wir einfach nur das tun müssen, was die Agrarlobby uns sagt!?

Nicht genug, dass Ilse Aigner kritische Haltungen einfach wegbuttern will und dabei auf eine kleinkindliche Argumentation zurückgreift, mit der Mütter ihre Sprösslinge zur Nahrungsaufnahme zwingen wollen. Sie stellt dabei eine Einfalt zur Schau, die ihresgleichen sucht: Ehec? Schweinevogelgrippe? Antibiotika im Futter? Dioxin in Eiern? War da was? Nicht einmal in Ansätzen möchte die Ministerin in den Verdacht geraten, die industriemäßige Produktion von Agrargütern könnte unter Umständen vielleicht ein Teil des Problems sein. Etwa, weil das perverse System unserer subventionierten Nahrungsmittelexporte die einheimische Landwirtschaft in Entwicklungsländern mit Dumpingpreisen brutal an die Wand drückt. (Zum Beispiel Benin gibt es einen weiteren, sehr lesenswerten Artikel in der taz.)

Die Aussage von Ilse Aigner ist daher mehr als schafsdummer Zynismus: sie zeigt einmal mehr, in welchem Ausmaß unsere Politiker inzwischen zum politischen Arm global agierender Wirtschaftsunternehmen geworden sind. Wie sehr unsere Welt zu einem Ort geworden ist, in dem nur noch die Vorgaben des Profits Gültigkeit besitzen und Dinge wie Menschlichkeit und Mitgefühl nur noch in Sonntagsreden ihren Platz finden.

Bon Appetit.


Raffzahnwatch

Nachdem an dieser Stelle letzte Woche bereits ein eindrucksvolles Beispiel für die Raffgier unter dem ernannten Führungspersonals unserer Gesellschaft zu lesen war, muss das Thema „jeder raffe soviel er kann“ schon wieder angesprochen werden. Der Zufall wollte es, dass ich nach einer sehr gelungenen Thesensammlung zur Ausplünderung der Gesellschaft (Süddeutsche) von Ingo Schulze beim Spiegel über folgende Meldung stolperte: Top-Manager kassieren Millionen-Pensionen. Demnach haben sich die Pensionsansprüche der DAX-Chefs in den letzten 15 Jahren hübsch verdoppelt. Ein Herr Zetsche von Daimler kann mit Ansprüchen in Höhe von 26,1 Millionen Euro rechnen. Jeder der 30 DAX-Chefs kann mit mindestens einer halben Millionen Euro pro Jahr planen.

Der brave Arbeitnehmer darf sich seit dem ersten Januar hingegen auf eine Rente mit 67 einstellen und dabei ruhig etwas zittern, ob das Geld bis dahin noch etwas wert ist. Ein „Standardrentner“ (mit 45 Beitragsjahren – die nur von einer Minderheit überhaupt erreicht wird) müsste nach der Pensionierung noch knappe 1800 Jahre weiter leben, um auf eine zetschesche Rentenauszahlung zu kommen.

Aber hier soll keine Neiddebatte angefacht werden. Schließlich müssen unsere Eliten diese Summen verdienen, da sie große Verantwortung tragen und mit ihrer fast schon übermenschlichen Leistung das System am Laufen halten. Irgendwo müssen ja diese rießigen Summen herkommen, die an den Finanzmärkten verzockt werden (gerade spekulieren die Hedgefonds z. B. auf eine Pleite Griechenlands, SZ). Und wenn die dabei auflaufenden Spielschulden nicht so aberwitzig hoch wären, könnte man die Gemeinschaft (aka den kleinen Mann) nicht so frech zum Bezahlen in die Pflicht nehmen, uns nicht mit Gerede von Sparzwängen und enger zu schnallenden Gürteln in die Laune zu zwingen, für die immer schlechter werdenden Arbeitsbedingungen und verrottende Gemeinschaftsgüter auch noch dankbar sein zu sollen.

Wo ist eigentlich diese vielbesungene Moral, wenn man sie tatsächlich einmal braucht?


Doppelsonnen und Bettina Wulff

Wunstwerks Kommentar zm Freitag

Ob Frau Wulff Prostituierte war oder ist, ist mir ganz schön egal.
Aber halt, darf es das eigentlich?

Ohne theoretische Erörterung des „Das Private ist Politisch“-Schismas – kratzt es (noch mehr) am Herrn Wulff, wenn vielleicht seine Frau von Freiern Gefälligkeiten arrangierte, was obligat und Usus sein dürfte Geschäft des „Gefälligseins“? Hat sie vielleicht gar seine Geldgeber bedient? Die Bundesversammlung beblasen? [Häme off]

Ach ja, errgender als Vorteilsanschaffung ist ja mittlerweile die versuchte Pressebeschränkung. Einschüchterung der frei flottierenden Medien durch das Staatsorgan. Ich bitte Sie. Die Gebärden eines Staatsoberhauptes Wulff sind doch milchzahnlos. Was sollte er denn tun als mit dem Fuße aufstampfen und wehklagen? Genau das tat er. Der endgültige Bruch dräut, auweia. Mit Strafrecht ist der Springerverlag ja stets kleinzukriegen. Daneben? Zweifelsohne. Aber doch kein oioioi, warning vor Zensurgesellschaft. Dass Sat1 nun auf seine Intervention den Bericht über Miss Betty zurückhielt, wie kolportiert halten Sie und ich doch für einen reinen Trittbrett-Eigenhype des Senders. Ansonsten selbst schuld. Sie und Sat1. Meine Damen und Herren der Medien, lassen sie mal ein bisschen Luft raus aus ihrem sicherlich gefundenen Soufflè.

Aber zurück zur Frage der Bundeswulffs. Ist es schon rein moralisch ein Problem, käufliche Liebe an der Seite, so als hoher C-Politiker? Dem reinen Glauben nach ist Vergebung die oberste Direktive, also dürfte das kirchlich formalisierte C nicht das Problem sein. Zu schweigen von Fällen von Jugendeskapaden (über 18, versteht sich) oder Vielfach-Serien-Ehen. Aber nun das Staatsoberhaupt… wenn es wenigstens nur ein Ministerpräsident gewesen wäre… äh…

Mja, ist wohl von Augenmerk, was so eine Angetraute tut. Vor allem besser nicht zu viel. Böll legte seinen Politfrauen (vor Flusslandschaft) in den Mund, jenen nur zu (Schön-)Wetterbekundungen öffentlich zu öffnen, damit der Staatssegen nicht schiefhänge. Offensichtliche Doppelgestirne mit einer Hillu oder Hillary funktionierten ebenfalls nicht. Carla Bruni inszeniert sich irgendwie dazwischen, singt aber auch nicht mehr als Präsidentengattin. War vielleicht auch nicht die Hauptverwirklichung. Nur unser Joachim Sauer hat noch seine wissenschaftliche Karriere. Er steht sogar noch neben Veranstaltungen im Vorlesungsverzeichnis der HU, wenn auch mit leerem Vorlesungsstundenplan. Hm, sagen wir, der Fall ist unentschieden.

Sie und ich konstatieren hier: Doppelgestirne in der Politik sind schon die Regel, aber nur mit fixen Positionen. Und wenn wir hier schon mal nicht gleich eine biologische Parallele zum alpha-Sozialkodex haben, so dafür ganz aktuell eine astronomische. Statt „wie im Tierreich“ ist es nämlich, noch gravider, „wie am Himmel“: Millionen Planeten unserer Milchstraße umkreisen nicht nur eine, sondern zwei Sonnen. Klappt mit dem richtigen Abstand, und eine ist meist ein bisschen kleiner und halb verdeckt. Dies kann man hochrechnen von den zwei entdeckten Doppelsonnenplaneten unter den jahrelang von Kepler beobachteten 100 Millionen Sternen und ihren durchschnittlich 1,6 Trabanten (sind die Planeten mit den Doppelsonnen jetzt da schon rausgerechnet?).  Von diesen 75-160 Millionen Planeten um die Milchstraßengestirne sind allerdings erst ein paar hundert Exoplaneten nachgewiesen, auf welchen Leben möglich wäre.
Ein Schelm, wer dabei weiter in Parallelen denkt…

Consecutio:  Folgerichtig ist es mir nicht egal, ob die deutsche Wulffin anschafft.
Wenn es denn so wäre, ein Schwuler als Ministerpräsident und als Außenminister, eine Frau Kanzlerin und eine Hure als first Lady,
dann, ja dann möchtete ich fast sagen, ich sei stolz, Deutsch zu sein.


Guten Freunden gibt man ein Pöstchen

Während der Bundespräsident das Vertrauen der Bevölkerung in die politische Klasse im Rampenlicht zu ruinieren geruht, gehen andere da etwas verdeckter, aber umso nassforscher vor. Da wäre zum Beispiel das Prachtexemplar eines Politikers: Dirk Niebel, seines Zeichens Feldmarschall Minister für Entwicklungshilfe. In keinem Bericht über ihn fehlt die Randnotiz, er habe noch kurz vor seiner Berufung die Abschaffung dieses Amtes gefordert. Was nicht erzählt wird, ist, dass er diesen Plan erfolgreich umsetzt. Merkel hat nicht nur den Bock zum Gärtner ernannt. Sie sieht auch noch gemütlich dabei zu, wie er alle seine Freunde zu einer Party einlädt, bevor er durch die Beete marodiert. Natürlich kann man so ein Ministerium nicht einfach auflösen, aber man kann es prima von innen aushöhlen und dabei ganz nebenbei einen guten Schnitt machen. Doch eines nach dem anderen:

Niebel interpretierte sein Amt von Anfang an konsequent als Mischung aus Außen- und Wirtschaftsministerium. Hilfe gibt es nur, wenn am Ende ein Plus unter dem Strich steht. Kernkompetenzen des Ressorts wurden flugs umdefiniert und Bündnispartner im Ausland mit gebrochenen Zusagen vor den Kopf gestoßen (Stichwort Yasuni-Regenwald-Fond). Eingefleischte Gegner bezeichnen ihn daher auch als „Entwicklungsverhinderungsminister“ (Heike Hänsel, die Linke).

Wohlwollend gestimmte Gemüter halten ihm zugute, dass hier endlich einmal jemand bemüht ist, knappes Steuergeld möglichst effektiv einzusetzen. Jubelnd freuen sie sich mit, wenn sich einer als eiserner Sparhans gebärdet und lauthals fordert, dass derjenige, der Geld vom Staat für Hilfsprojekte in Anspruch nehme, auch dessen Bedingungen akzeptieren müsse (zitiert nach greenpeace-Magazin).

Doch leider endet das hohe Lied der Wirtschaftlichkeit am Saum der eigenen Tasche. Völlig unverfroren schafft Niebel das Ministerium ab, indem er es zur fröhlichen Versorgungsanstalt für eigene Parteileute und alte Weggefährten umbaut. Schon kurz nach Amtsantritt stand er in der Kritik, weil er die Posten in seinem Ministerium über das normale Maß hinaus mit FDP-Vertrauten besetzte. Sogar Politiker aus der Union kritisierten ihn dafür und warfen ihm vor, das Parteibuch über Expertise und persönliche Exzellenz zu stellen (Dagmar Wöhrl, CSU, zitiert nach Wirtschaftswoche).

Jetzt hat Report München herausgefunden (siehe auch telepolis), dass auch in diesem Jahr 180 neue Stellen im Entwicklungsministerium geschaffen werden. Sogar eine Abteilung für „Planung und Kommunikation“ wird eigens neu aus dem Boden gestampft. Müßig zu erwähnen, dass viele der neuen Spitzenpositionen in erster Linie guten alten Freunden und Bekannten der Partei zugedacht sind. Jetzt, wo die FDP im 2-Prozent-Umfragenpermafrost fest hängt, bringt Niebel noch schnell ein paar Schäfchen ins Trockene. Denn schließlich werden hohe Ämter zumeist auf Lebenszeit vergeben und sind selbstverständlich auch mit hohen Pensionsansprüchen garniert. Die Renten vieler FDP-Freunde wären also gesichert. Dass sich ausgerechnet die Partei der Eigenverantwortung und der privaten Vorsorge zur Absicherung des eigenen Klientels so hemmungslos auf die Staatskasse zugreift, zeigt, was mit dem wohlfeilen Gerede von Chancengleichkeit, Liberalität und Leistungsprinzip tatsächlich gemeint ist: Jeder raffe an sich, so viel er kann!

Und weil diese Postenbescherung alleine nicht schon frech genug wäre, hat man (zusammen mit der Union) vor Weihnachten noch heimlich, still und leise ein bereits abgeschafftes Versorgungsgesetz reaktiviert, das die Renten hoher Beamten um bis zu 600 Euro im Monat aufstockt, auch wenn sie nur kurz für ein Ministerium gearbeitet haben (nach § 54 des Bundesbeamtengesetzes (BBG) können politische Beamte jederzeit in den Ruhestand versetzt werden). Ins Bild passt auch noch, dass die FDP-geführten Ministerien in Berlin zwei Drittel der politischen Beamten beherbergen. Wohl bekommt’s!

Im Beitrag von Report München bringt es Professor Hans Herbert von Arnim von der Hochschule für Verwaltungswissenschaften (ja, so etwas gibt es!) auf den nüchternen, aber präzisen Punkt:

"Da herrscht massive parteipolitische Ämterpatronage. Da werden Ämter und die auf Lebenszeit besetzten politischen Beamtenstellen für Parteizwecke missbraucht. Das ist zum Teil rechts- und verfassungswidrig."

Ich kann es gar nicht erwarten, dass diese selbsternannte und -herrliche „Leistungselitenpartei“ endlich in der wohlverdienten Bedeutungslosigkeit versinkt und hoffe, dass dabei nicht noch größere Schäden an der Staatskasse entstehen. Der Schaden am Vertrauen in die Politiker ist ohnehin vernachlässigbar, da sich, nach meinem mathematischen Wissen, von einer leeren Menge nichts mehr abziehen lässt.

Update: Bei der taz gibt es noch einen weiteren interessanten Beitrag zur Besetzungspolitik Dirk Niebels.


Bestandteile eines Bundespräsidenten in der öffentlichen Wahrnehmung

Nachdem nun die BILD-Zeitung unser höchstes Staatsoberhaupt am Nasenring durch die Manege zieht; nachdem selbiger nicht den Hauch einer Ahnung hat, was eigentlich alle wollen; nachdem die ganze Öffentlichkeit verwundert den Kopf schüttelt (ganz schön beweglich, so eine Öffentlichkeit); nachdem bald auch der letzte Kreisratspolitiker mit halbwegs intakter Ambition dem ersten Mann im Staat einen hilfreichen Ratschlag erteilt hat; nachdem der „normale Bürger“ vom vielen Abwinken angesichts politischer Skandale und Skandälchen langsam eine steife Hand bekommt – nach all’ dem  verliert man schon einmal die Übersicht, was ein Bundespräsident eigentlich ist. Die folgende Infografik soll da helfen, nicht den Überblick zu verlieren. Nichts zu danken.

Bestandteile eines Bundespräsidenten in der öffentlichen Wahrnehmung


Schmales Rückgrat (*punk*)

Warum habe ich nie in einer Punkband gesungen? Ärzte.

1. schriebst du mir mal nen liebesbrief, ich würd ihn zerreissen
hielt’st du den kleinen finger hin, ich würde ihn abbeissen
böt’st du mir händchenhalten an, tät’ ich es ablehnen
wöllt’st du mich auf dem buckel trag’n, auf’n arm würd ich dich nehmen

auf’n arm, nicht beim wort würd’ ich dich nehmen
auf’n arm, nicht beim wort,
rutsch vom buckel mir sofort
wende den arsch himmelwärts
ich klistier’ dir deinen schmerz
denn mein rücken, der ist schmal
nur die hüften sind normal

2. kämst du mir mit parteiprogramm, ich würde bloß weghören
wärst du in ‘nem geheimbund drin, ich würd’ nicht mit-verschwören
fingst du vom rechten glauben an, würde ich ausschlagen
hältst du auf „ordnung der natur“? – versuch’ die einzuklagen

klag doch an, du jammerst schon zu viel rum
klag doch an, du  jammerst schon
zu viel von determination
wende den arsch himmelwärts
ich klistier’ dir deinen schmerz
denn mein rücken, der ist schmal
nur die hüften sind normal

3. stell’ du nicht noch mehr regeln auf, deiner ängste wegen
legtest du mir dogmen aus, ich könnt’ dich widerlegen
hacktest du auf mir herum, würd’ ich’s mir nicht geben
und am honig um dein maul bleib’ ich erst recht nicht kleben

herrsche nicht über mich, ich lass’ dich nicht
herrsche nicht über mich
nur aus sicherheit für dich
wende den arsch himmelwärts
ich klistier’ dir deinen schmerz
denn mein rücken, der ist schmal
nur der freiheitsdrang normal


Schau mich nicht an (lernen: lebenslänglich)

Da ich doch Amibtionen in mir vorgefunden habe, begab ich mich auf die Jagd nach den besten Weiterbildungshappen im Teich; wie es gute Gepflogenheit zum Jahresausklang ist.

Von einer Digitaltrainerin namens „Die Webagentin“ lief mir der Flundersatz vor die Angel:
wer im www was werden will, kommt um lll nicht herum“ .
Life long learning, nämlich.

Habe mir gleich einen gebrauchten Bleistift bestellt und werde jetzt Texter.
Vielleicht nicht so toll wie die Webagentin.
Aber für Kaffeebecher & T-shirts. Irgendjemand verdient sich doch damit dämlich, oder?
Das werde jetzt ich:

Ich hasse bedruckte Tassen

Mein künftiger Trinkbecher Dauerschlager

 

Und mein erstes T-Shirt wird heißen:

...and don't talk to me

...and don't talk to me


Rückschauprognöslein

Die bösen Männer sind gestorben wie die Fliegen

Wird trotzdem nix besser wer’n

——–


Scheiß rechtes Freiheitsweb!

Ich drücke mich echt gerne gewählt aus, lieber ein bisschen umständlich sogar, aber das muss jetzt mal genauso raus.

Diese scheiß rechten Blogs!

Ich falle immer wieder darauf rein, auf einen interessanten politischen Titel unter „angesagte Beiträge“. Und dann ist das doch nur wieder ein Verschwörungsblogtheoretiker, der sich gerne freiheitlich nennt.

Jetzt hatten wir erst dieses Antiwebverschwörungsgaddafidings (Gaddafi ist tot. Ne,  doch nicht. Doch. Nein. Isser jetzt? Oder wer hat’s gefaked?) überwunden, dann hat die Zeitrechnung geendet (der Mayas), aber das ganze xenophobe Untergangsgequake bleibt uns dauerhaft erhalten (Die Ausländer übernehmen uns! Haben sie schon längst! Gibt es die Bundesrepublik wirklich, oder ist das nur Fake der CIA? Die wollen uns doch alle nur verarschen! Massen, erwachet!). Es  kotzt mich echt an.

Ich will das nicht mehr lesen! Ich lese es ja noch nicht mal, die obskuren Faktenbeiträge sind schlicht zu lang und zu polemisch, aber ich will auch nicht mehr aus Versehen reinklicken und erst im dritten Satz merken, dass hier Propaganda abläuft.

Freiheit ist schon so etwas wie ein Codewort für irgendwie „recht-isch“ geworden ist, so dass ich bei einem Bloguntertitel mit „…Freiheit…“ schon fast automatisch wegbounce obwohl ich mich selber für einen Freigeist halte. (Ok, vielleicht habe ich eher einen Advocatus Diaboli – Komplex*, aber das  ist jetzt gerade auch egal). Deshalb gibt’s hier auch keine Beispiele für diese kurzgegriffenen rechten Kritizismen-Logbücher, oder wir immer ihr den Begriff „Blog“ in Deutsche rückübersetzt, ihr mit der lustigen ‘E-Post’ und den ‘Keksen’ auf der ‘Heimseite’, weil ich sie mir schlicht nicht merke. Und ‘verbinden’ möchte ich euch auch nicht von hier; höchstens ab und an den Mund.

Aber, ihr rechten und halb rechten und neorechtsfreidenkenden Genossen, EUCH GEHÖRT DIE FREIHEIT NICHT!

Hört auf, Euch zu tarnen mit etwas, was ihr nur in Anspruch nehmt, nicht aber gewährt. Hört auf, feige zu sein und nennt Euch auch irgendwie recht-isch, weil wir merken doch sowieso, was Sache ist, wenn wir aus Versehen in Euer Zeug reinlesen. Ihr steht trotzdem unter sozialer Kontrolle, auch wenn ihr euch semantisch tarnt, verstanden?
Hört am besten auf zu Schreiben.

Ach, und noch was: hört auf, die Schuld in der Geschichte und bei anderen zu suchen, sondern denkt Euch ein paar konstruktive Lösungen aus. Kulturnationalismus, meine Lieben,  ist keine Lösung. (Ich glaube, diesen Kulturnationalismus werft ihr Ausländern gerne vor, aber ich will mich damit hier nicht beschäftigen. Für Euch gilt jedenfalls das gleiche! Wenn schon, dann ist der Ausstieg mittig). Seid einfach still.
Hier, hier an diesem meinem Fleck und der hoffentlichen Mehrheit aller anderen ist Freiheit ein frei sein, in alle Richtungen zu denken, nicht nur in die verpönte Richtung rechts der rechten Mitte.

Euch gehört die Freiheit nicht.

Hört auf, rechts zu denken.

Danke!

———

*Advocatus Diaboli Komplex: reflexhaftes Bedürfnis, die Gegenseite zu einer aktuellen Meinung einzunehmen, also dagegen zu argumentieren aus dem Prinzip heraus, dass gegen alles begründete Einsprüche existieren. Häufig durch zuviel frühkindliche Sokrateskontamination oder nachkriegskritische Schulbildung in den 80ern einerseits und aber andereseits doch das popkulturelle Bedürfnis,  auch mitzumachen (in dem Internet). Aber bloß als ‘Sand im Getriebe der Welt’, also eigentlich auch gegen Interweb x.x sein, irgendwie jedenfalls kritisch-distanziert und so. Volle Bildungsbürgergeltungsmasche. Aber die habt ihr ja zum Glück auch, don’t you.


Orgien und Urnen

Ich überlegte auf der Fahrt, wie lange Thea und ich uns nicht mehr gesehen hatten. Sicher war ich mir, dass ich bei ihrer Hochzeit gewesen war, vor wie vielen, sieben Jahren? Doch danach war der Kontakt irgendwie eingeschlafen. Die Ehe war auseinander, soviel hatte ich mitbekommen, aber mehr wusste ich auch nicht. In der Mail hatte Thea das Haus beschrieben, ich solle einfach reingehen, da ihre Klingel kaputt sei, unten sei offen, dann zweiter Stock rechts.

Die Wohnungstür ließ sich einfach aufdrücken, und da ich dringend mal wohin musste, ging ich auch ohne viel Federlesens gleich hinein. Der Flur war über und über mit Flaschen verschiedenster Herkunft voll gestellt, von exotischen Alkoholen bis zu leeren Mini-Limoflaschen aus Mini-Hotelbars. Ich rief nach Thea, doch es rührte sich nichts. Rechts stand die Türe zum Bad offen, über einer Waschmaschine lag ein Tischtuch mit Kaffeegeschirr und einer Zeitung darauf, zwei Kuchengabeln steckten in einer großen Kommunionskerze. Diverse schwarze und gelbe Kaffeetassen hingen, säuberlich an den Henkeln aufgereiht, am Stahlseil des Duschvorhangs, eine henkellose Tasse war auf dem Boden zersprungen.

Ich trat ein,

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