wochen|endliche(r) Löchrigkeit

Zug.
Freitag nach 18 Uhr, schon wieder leer.

Eine herzhafte Mittelfränkin telefoniert in schepperndem Glockenton zweimal im Ruhebereich. Vor mir langweilt eine langhaarige Strickjacke ihr Begleitung eine halbe Stunde damit, ihren Frisörtermin verpasst zu haben. Wie kann man 30 Minuten damit füllen? Welches Vakuum muß an welcher Stelle einer Person vorliegen, damit dieser Raum verfügbar ist?

Zwei große junge Business-Understaterinnen arbeiten noch eifrigst an ihren kleinen Maschinen. In gebrochenem Englisch gibt die eine noch ein professionelles Projektupdate. Ich, unfassbar, bin fertig mit der Arbeit.
Ja, fertig, und plötzlich wieder auf meinen Saisonplatz auf dem Planeten zurückgekehrt, ohne zu wissen, was ich jetzt hier tun soll.  Da ist es, das Loch. Das „wir schaffen das“ Gruppenkuscheln bis spät in die Nacht ist vorbei und die nächste Phase beginnt bald. Wie viele Feierabendstunden habe ich die letzten Monate arbeitsfern genutzt, nich nur verbracht hinter einem Rechner alleine in einem Raum…?

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Ich bin vorbereitet. Das Wochenende ist  geplant, keine Minute werde ich alleine verbringen müssen. (Müsste es erst wieder erlernen, zunächst runterkommen.)

Ich rolle durch die erste Düsterkeit und springe unvorbereitet mitten ins soziale Getümmel. Eine Party; viele Menschen, aus vielen, teils gar lange zurückliegenden Lebensphasen, weit weg. Ein halber Abend und ein halber Kasten um anzukommen.

Dann ein Frühstück mit 25 Personen, die Du alle kennst, viele wirklich magst, bei einigen Anteil nehmen wolltest oder einst tatest an ihrem Leben und es bei manchen wünschen würdest. Und schon ist Aufbruch und die Abschiede fallen kläglich aus. Es wird wieder lange dauern und es ist doch eigentlich das, was sein sollte. Überforderung.
Wieder ein Zug; voll, voller Fußballfans und Bierdunst und breitmündigen Sprachverballhornungen und Erschöpfung und sanft schmiegt sich wieder Loch um Deine Schultern. Vielleicht liegt doch alles nur an der Bahn?

So. sollte. es. sich. anfühlen. das. Leben. nur. öfter. und. nicht. so. weit. entfernt. Eigentlich ganz einfach, aber seit Jahren offensichtlich unerreichbar.
Immerhin: es kann sich so anfühlen.

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Über liva2lox

bulls and bears of the absurd minds of thaddäus grotgen and some of his alter egos --- willkommen in meiner ideellen badestube! klistierspritzen für die seele - tauch’ eine weile unter die schaumkrone lauwarmer seifenfilosofie, verspür’ die erleichterung weltanschaulichen aderlassens oder salbadere bei einem ridikühlen getränk einfach mit in fremden blechzubern …hier bist du mit sicherheit.

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