fluchterzählung (ex post)

ich war geflohen aus der großen stadt im süden. aus dem engen vorort und einem tag des nichtstuns mit meiner wohnungsgenossin und ihrer schwester. geflohen vor unklaren optionen, viel zu vielen möglichkeiten und den zurückweichenden freizeitkollegen, geflohen an den rhein.

endlich war es entschieden, dieses wochenende.

sieben stunden zug, fast ein ganzer tag, und die selbe strecke zurück am nächsten morgen, durch das wunderbar grüne land; frühling, den ich gerne durchwanderte wenn es jemanden dazu gäbe. geflohen zu einem fest mit vagem spaßversprechen, geflohen minimal zu einem abend voller gesang und bier und lauter unbekannten; mit der option zu einem abend des rausches oder gar einem leuchtenden auftritt wie im letzten jahr auf derselben bühne.

geflohen, weil es einen gab, der sich an diesem tag festlegte, der klar sagte, er wolle mich sehen. war es schwäche? ich wollte das haben, ich wollte gesehen werden wollen. und gesehen werden.

dies zumindest erhoffte ich mir von jener flucht und das wäre mehr, als die abende der letzten monate erbracht hätten. ich war zornig auf manche ob ihrer bequemlichkeit und zögerlichkeit, auf die andere, vielleicht künftige, ob ihres zurückweichens und ihrer unverbindlichkeit. dann war ich irgendwann leergeweint.

der zug war beschädigt und blieb liegen irgendwo in der pfalz. sein kompletter inhalt stand auf einem stillen provinzbahnhof, ich abseits, rauchend, alles leer und grün und ich hasste sie alle. mich hasste ich nicht, blitzte es mir zwischendrin sehr hell durch die gedanken. ich wartete. dann war es egal, kein nutzen darin, sich aufzuregen, ich würde eben mindestens noch später kommen. ein zug würde kommen.

ich wusste nun, was ich zu tun hatte. rückzug war angesagt, weitere flucht, bloß nichts erwarten.vielleicht  war es bitterkeit. aber es war richtig.

wir pferchten uns in die wagen des uns schließlich aufnehmenden ICEs und auf einmal liebte ich sie alle, die stehenden, mich umringenden schwaben auf dem weg nach norden, mit ihren schwanenseelen. (schwäne sind mit sicherheit zutiefst schwäbische vögel – sieht man sie sich nur näher an, hört ihnen eine weile zu, wird es glasklar)

noch ein leeres, hässliches kaff am rhein und noch einmal warten und eine kurze lust auf dosenbier. dann die lorely und ich war da. jemand hatte mir alles mitgebracht, schlafsack, unterlage, ein klufthemd da ich nicht mal freizeitklamotten an meinem arbeits-lebensort hatte. nur schuhe waren ein problem.

es wurde ein manischer abend mit der personifizierten lebensfreude, ich mitten in gegengeschlechtlicher aufmerksamkeit.

ich kehrte zurück in den süden, zu früh der aufbruch, im zug verschlafend, auf einen offenen abend hinzu doch es schien alles wieder zurechtgerückt. keine bitterkeit.

13 stunden bahnfahrt hatte es gekostet, sich wieder richtig zu fühlen, gesehen, einem geschlecht zugehörig.
ich wurde versetzt an diesem abend.

ohne diese hektischen wochenendausflüge hätte ich diese phase nie überstanden.

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Über liva2lox

bulls and bears of the absurd minds of thaddäus grotgen and some of his alter egos --- willkommen in meiner ideellen badestube! klistierspritzen für die seele - tauch’ eine weile unter die schaumkrone lauwarmer seifenfilosofie, verspür’ die erleichterung weltanschaulichen aderlassens oder salbadere bei einem ridikühlen getränk einfach mit in fremden blechzubern …hier bist du mit sicherheit.

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