Wie ich einmal sterben werde: verspätet.

How did I come to hate public transport?
Most simple: I use it.

Mein Wohnort wurde gestern abgeschnitten vom Bahnnetz; die Verbindungen in alle Richtungen gekappt, lediglich bis zum nächsten Kaff gibt es noch 20km Strecke.

Wie 1895: Es gibt nur das nächste Dorf, die Welt außerhalb ist unnerreichbar. Oder mit Schienenersatzverkehr, d.h. ein Bus, der in der mindestdoppelten Zeit die Strecke abrattert. Warum nicht gleich die Postkutsche?

Die Insellösung gilt für geschlagene sechs Wochen. Als hätte jemand gesagt: in den Sommerferien wollen wir uns einfach mal abkapseln, die Welt aussparen; und wer von München nach Berlin will soll einfach über ein anderes Bundesland ausweichen.

Die freundliche Dame an der 24-Stunden Hotline war leider nicht in der Lage, mir den Behuf des mittlerweile traditionellen Unterfangens mitzuteilen. Gab es doch bereits letzten Sommer nur SEV rund um die Heimat.

Schade nur, wenn man auf den Rest der Welt angewiesen ist: weil man da arbeitet zum Beispiel oder weil die Freunde nicht wie noch Anno 1895 dort sterben wollen, wo sie geboren wurden, sondern in einer modernen, mobilen Gesellschaft einst in irgendeinem verspäteten Zug am Herzinfarkt eingehen werden. Zumindest unter den sogenannten A-Typen dürfte das tödlichste Verkehrsmittel nicht das Auto sein sondern der Kollaps durch Bahnstress. Ich halte dies jedenfalls für meine wahrscheinlichste Todesursache.

Statt wichtiger Konsuminformationen sollte der DB-Konzern daher erwägen, schadensersatzvorbeugend (nachdem die Fahrgastrechte ja ständig so wirksam verbessert werden) Meditationsanleitungen in allen Zügen durchzusagen. Persönliche Betreuung durch den Zugyogi am Platz inbegriffen.

Apropos Schadensersatz bei Verspätungen: ist ein Zug einmal wirklich verspätet, ist es gar nicht so einfach, einen berechtigungsscheinausstellenden Begleiter aufzutreiben. Diese verschanzen sich dann, verständlicherweise, gerne mal hinter den Gardinen Ihres leeren Sonderabteils. Will man das am nächsten Bahnhof bei der Gleisdirektion nachholen (nein, nicht am Info-Schalter an dem sowieso nie jemand steht), verpasst man auch noch den nächsten Anschlusszug
– wird dies dann eigentlich auch durch die neue Policy gedeckt?
Kann ich bei Mehrfachumstiegen dann nicht gleich von vorneherein umsonst zwei Stunden später kommen? Würde uns doch allen eine Menge bösen Stresses ersparen.

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Über liva2lox

bulls and bears of the absurd minds of thaddäus grotgen and some of his alter egos --- willkommen in meiner ideellen badestube! klistierspritzen für die seele - tauch’ eine weile unter die schaumkrone lauwarmer seifenfilosofie, verspür’ die erleichterung weltanschaulichen aderlassens oder salbadere bei einem ridikühlen getränk einfach mit in fremden blechzubern …hier bist du mit sicherheit.

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