Falang Gong

Jeden tag 3 neue Worte auf Lao:
Guten Tag, auf Wiedersehen, Danke.
Bitte, Entschuldigung, 10.
1, 2, G’suffa.

Es ist doch so einfach eigentlich.  Und trotzdem gar nicht leicht: wie ist man ein guter Tourist (ohne Truhe aus intelligentem Birnbaumholz)?

Tourismus zerstoert Kultur. Wie ein uebles Netzwerk hat er das Land  (und viele andere) ueberzogen als Hauptdevisenbringer.
Aus Ruhe werden feste Uhrzeiten, Doerfer an ruhigen Bergstrassen verringern ihre Lebenserwartung durch das erhoehte Verkehrsaufkommen (obwohl schon die kleinsten Laoten immer am Fahrbahnrand bleiben), die Sitten verkommen: Statt Laecheln wird (noch verschaemt) ein Trinkgeld erwartet, welches in der gewohnten Anglo-Amerikanischen Hoehe die Erwartungen weckt, die uns manch andere Laender leicht vergaellen. Obwohl jeder Reisefuehrer um bedeckte Knie und Schultern bittet, waehlen die Reisenden ihre uebliche Sommerbekleidung. Stichwort Fremdschaemen und Ueberkompensation: doch wie macht man es richtig?

In den mit „Eco-Tourismus“ erwanderten Bergdoerfern ziehen die Fremden (Falang) umher und froenen der Armutsfotografie. Aber die Doerfer erhalten Geld, welches in postsozialistischer Manier an alle verteilt wird und koennen so (besser) wie bisher weiter leben.  Vielleicht weniger Landflucht, vielleicht weniger Verelendung der Staedte, weniger Prostitution, weniger Drogen?

Natuerlich traeumen die jungen Touristenguides vom besseren Leben und vielleicht auch einer teuren Uhr, wie ueberall auf der Welt. Und mit unserer dicken Geldboerse werden erst Begehrlichkeiten geweckt.  Spontan leiste ich mir ein extravagantes Vergnuegen (Tarzan an Stahlseilen) fuer 35 Dollar. Was macht dies mit dem Reisefuehrer, der 150 Dollar verdient? Wieviel Trinkgeld gebe ich ihm – ist ein Dollar nicht mickrig, sind zehn nicht ein Hohn ueber seine Verdienstsituation?
Ist es egal, weil Geld ist Geld ? – Aber werden dann nicht Gier und Abzockerei geschuert?

Andererseits: Die jungen Maenner gehen so nebenher zur Schule, lernen Englisch, unterstuetzen die Familien (und setzen uneheliche Kinder in die Welt).
Sonst waeren sie im Kloster geblieben, worin jeder Buddhist einmal gelebt haben sollte.
Vielleicht auch nicht das Schlechteste.
Vielleicht sollten wir mit der naechsten Bahn nach klimavertraeglich Hause fahren.

Aber Freiheit heisst auch: gehen wohin man will.
Und offensichtlich wollen wir alle zu anderen Orten – sobald wir es eben koennen.

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Über liva2lox

bulls and bears of the absurd minds of thaddäus grotgen and some of his alter egos --- willkommen in meiner ideellen badestube! klistierspritzen für die seele - tauch’ eine weile unter die schaumkrone lauwarmer seifenfilosofie, verspür’ die erleichterung weltanschaulichen aderlassens oder salbadere bei einem ridikühlen getränk einfach mit in fremden blechzubern …hier bist du mit sicherheit.

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