Konsumdemokratie (mit Friedrich Schiller)

Kraftwerk Schiller. Ein Drogeriemarkt hat ihm ein Fanzine herausgebracht, denn jeder braucht den Gedanken an die Freiheit. Ein querformatiges Booklet in Großdruck mit viel mondäner Optik (Nur kein Starschnitt des Dichters selbst.) Und wahrscheinlich muss es genauso sein. Che Guevara wurde von seiner Tochter zum Modelabel degradiert – oder sollte man sagen befördert?

In der 90er Vorzeit, irgendwann zwischen Party-Demo in Berlin und der allgemeinen Sinnverschiebung der Tätigkeit des Bekleidens vom Anziehen zum Stylen oder des Tragens zum Kombinieren (Ms. Moss kombiniert hier ganz frech eine Hose mit einem Pullover) wurde das Bildungsbürgertum seiner Deutungshoheit über das Wahre, Schöne und Wichtige enthoben. Knapp zu spät für uns, die sich noch in seinen Fängen befanden.

Lassen wir Dornröschen doch mal trotz Hangovers eine gute Miene machen.
Wenn Konsum der wichtigste Kanal gesellschaftlicher Kommunikation ist; Lebensstil ein Moralsubstitut, das dazu führt, dass Menschen überhaupt in einer Weise ihr Leben selbst gestalten, dann werden Geist und Kunst konsequenterweise durch Textilerzeugnisse vermittelt  –  lassen wir Che die Reaktion mit modischer Avantgarde überstülpen und Schiller im Prekariat auf Roadshow gehen. Vielleicht ist es ja eine nur neue Form des Symbolismus. Wer hat schon genügend eigene originelle Gedanken, um eine neue Meinung zu formulieren? Zeigen wir Label statt Flagge.
Und, ganz ehrlich, wenn man den Muskelkater der intellektuellen Hochachtungsbeugen erst mal überspielt, fühlt es sich tatsächlich besser an als die moralingesäuerte Überheblichkeit humanistischer Bildung überm Goldrandsuppenteller. Weil es demokratischer ist. Weil es eine Konsumdemokratie ist, und diese ist besser als keine. Ist es einfach nur ehrlicher, überzeugen zu müssen als Ehrfurcht einzufordern oder ist es gar überdauernder? (Warten wir ab, was passiert wenn sich der PR-Rummel gelegt hat)

„Es ist also offenbar, dass der Realist würdiger handelt, als er seiner Theorie nach zugibt, so wie der Idealist erhabener denkt, als es handelt.“
Gefällt mir immer noch, dieser Schiller.  Auch als One-Hit-Wonder. Besser einmal Freiheit denken als nie.
Deren modisches Äquivalent immerhin haben wir – jeder kann tragen, was er will.
Danke, Big F.

Es tut nichts zur Sache, aber morgen ist Weihnachten, Kinder.
– Das wollte ich immer schon mal schreiben

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Über liva2lox

bulls and bears of the absurd minds of thaddäus grotgen and some of his alter egos --- willkommen in meiner ideellen badestube! klistierspritzen für die seele - tauch’ eine weile unter die schaumkrone lauwarmer seifenfilosofie, verspür’ die erleichterung weltanschaulichen aderlassens oder salbadere bei einem ridikühlen getränk einfach mit in fremden blechzubern …hier bist du mit sicherheit.

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