Auch alternatives vorsätzen ist theodizäh

Man wünscht in entlegenen Landstrichen ja gerne vor der Weihnachtspause einen ‚guten Beschluss‘. Den ich immer wieder zu fassen kriege, sooft ich mir’s auch vornehme, besser nach keiner eigenen Verbesserung zu trachten…

Dabei kann es doch so schönes Ritualin sein.
Mit alternativen Neujahrsvorsätzen; wie zum Beispiel, alle römischen Kaiser zu wiederholen: Galba, Otho und Vitellius…
Sämtliche Stilmittel benennen können: Irrealis.
Und einer meiner lieblings-Vorsatz-Evergreens: Endlich mal unsere Heiligen auswendiglernen – oder wenigstens die Mythen dazu lesen.

Da gibt es doch Erkleckliches zu interpretieren: Man spricht beispielweise von Hiobsbotschaft aufgrund einer Geschichte über die Theodizee. Ist die Versuchung des  reichen, frommen Ijobs nicht eigentlich eine Versuchung Gottes eigener Hybris? Ein Gottesspielchen a la: Satan, den Hiob jagst Du mir nicht ab, das werde ich Dir schon zeigen! Und wenn Du ihm auch alles Geld und alle Kinder wegnimmst.

Eine ähnliche Buddhageschichte gibt es übrigens auch – wenn man Satan und Gott weglässt, natürlich. In seiner letzten Inkarnation vor Gautama Siddharta nämlich war Buddha schon einmal ein reiches, verwöhntes Prinzlein. Um zu beweisen, wie sehr er an nichts weltlichem hing und alle glücklich machen wollte, gab er jedoch alles weg: Reichtum, Reich, Kinder, schließlich gar die Ehefrau, die ein anderer haben wollte. Interessanterweise verzichtete er also selbst einem dritten zu liebe, ohne auf die Gattin zu hören – in der Glücksarithmetik ist eine Frau kein eigener Faktor (also kein Mensch, dessen Glück zählt). Eher eine Konstante, die bei integrierenden Vorgängen bekanntermaßen wegfällt. (Oder war es umgekehrt, gerade beim Differenzieren wird das Weib/die Konstante nicht beachtet?). Hört mir jedenfalls auf mit dem Buddhismus als Weg zum Heil.

Jetzt aber ernsthaft ein Entschluss für das neue Jahr: keine Wortspiele mit mathematischer Couleur, wenn ich diese nicht verstehe. Also keine Mathemathik-Metaphern mehr. Es bleiben ein paar Epiphern und die eine oder andere Alliteration. Alliteration und Anadiplose; Rhabarber auf elliptischem Satzboden… ich erfüllte besser obiges Bestreben Nummer zwei, auf dass es rhetorisch auch ohne Wikisation etwas vielfältiger werde (die grammatikalische Mißinterpretation liege an dieser Stelle beim geneigten Leser selbst).

Bald schreibe ich Euch alle wieder ins goldene Buch, ihr guten Absichten. Auf dass ihr im nächsten Jahr gewürdigt werdet! Im Rechtsstaate führt Vorsatz schließlich mitunter zu Schuldhaftigkeit und schliesst Fahrlässigkeit hingegen aus.
– Wenn ich schon auf die Mathematik verzichte, kann ich die Jurisprudenz nicht auch noch vom verbalen Spielbrett nehmen.

In diesem Sinne fasse ein jeder seine eigene Beschlusslage.

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Über liva2lox

bulls and bears of the absurd minds of thaddäus grotgen and some of his alter egos --- willkommen in meiner ideellen badestube! klistierspritzen für die seele - tauch’ eine weile unter die schaumkrone lauwarmer seifenfilosofie, verspür’ die erleichterung weltanschaulichen aderlassens oder salbadere bei einem ridikühlen getränk einfach mit in fremden blechzubern …hier bist du mit sicherheit.

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