…was nun in Ägypten?

Trotz Libyens, Syriens, des Jemens und den beiden großen Erdbeben in Japan und der FDP: vergessen wir Ägypten nicht! Nicht nur als erstes Revolutionsland hat es einen potentiellen Modell-Status für die postdiktatorische Entwicklung des arabischen Kulturraumes.

Ich behalte wahnsinnig gerne Recht, wirklich. Aber bei der Frage, welche Kräfte in Ägypten die Macht übernehmen können, wäre es bedauerlich.

Der vorübergehend regierende Militärrat hat sich letzte Woche in einer sogenannten Verfassungserklärung zu Demokratie und Freiheit bekannt.
Ägypten sei ein demokratisches Land, das die Freiheit der Religion und die freie Meinungsausübung gewährleiste, soll es darin laut dpa heißen.

Die Taz berichtet leider von etwas weniger Freiheit unter dem Militärrat wie Verhaftung von Militärkritikern und Folterungen.

Die LA Times berichtet auch von extremistischen Übergriffen.

Die proklamierte Religionsfreiheit stellt eine Lockerung auch für die herrschende Religion dar, deren Einfluss unter Mubarak beschränkt wurde. Die Muslimbruderschaft und andere islamische Strömungen versprechen sich offensichtlich viel von den auf  Septemer verschobenen Wahlen – von früheren Wahlen im Mai hätten die bestehenden Institutionen freilich noch mehr profitiert.

Laut LA Times wurde im ultrakonservativen islamistischen Lager die Verfassungserklärung entsprechend sehr positiv aufgenomen. „Das Land ist unser“ soll Scheich Mohamed Hussein Yacoub gesagt haben.

Die nichtreligiöse Rebellion der Jungen und Mittelständischen, der Studenten, Blogger und Fortschrittsgläubigen, die euphorisch waren, jetzt noch idealistisch sind, aber keineswegs organisiert, spielt damit den islamistischen Seilschaften in die Hände. Wie gemäßigt sie dann wirklich sein werden, bleibt bazuwarten. Falls das Militär die Macht nicht nur scheinbar aus den Händen geben wird.

Ägyptische Internetaktivisten sprechen auf europäischen Kongressen über Revolution und den Einfluss des Worldwidewebs. Das ist schön.
Aber bislang hat jede Revolution gelehrt, dass der Umsturz noch der einfachste Teil war.  Danach, da fangen die Probleme an. Und dass Diktaturen pro forma-demokratische Verfassungen aufsetzen ist kein Novum.

Atmet noch einmal schnell tief ein im sozialen Kuschel-Netzwerk, das durch die postrevolutionären Übergriffe schon seine Risse bekommen hat. Tauscht Eure Handynummern aus und etabliert Telefonlawinen und andere Kommunikationswege. Ich wünsche Euch viel Glück in Ägypten!
Ich werde weiter an Euch denken. Das Beten liegt uns ja nicht so.

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Über liva2lox

bulls and bears of the absurd minds of thaddäus grotgen and some of his alter egos --- willkommen in meiner ideellen badestube! klistierspritzen für die seele - tauch’ eine weile unter die schaumkrone lauwarmer seifenfilosofie, verspür’ die erleichterung weltanschaulichen aderlassens oder salbadere bei einem ridikühlen getränk einfach mit in fremden blechzubern …hier bist du mit sicherheit.

Ein Kommentar

  1. Pingback: Soldaten (und) der Preis der Friedensmedaille « wunstwerk

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