Ich bin nicht eine „Frau als Mensch“

-ismus | Problemanleitung

Jetzt habe ich schon mal angefangen… 
Was ist denn nun eigentlich mein, das, Problem mit dem Femischismus
Also gut: Ein für alle mal, und wir müssen nie wieder darüber reden! Abgemacht?
Ok. Ich mach’s auch ganz kurz:

  1. Problem sind nicht die konkreten Beispiele, das Problem ist das Gesamtpaket.
  2. Frauen machen alles Mögliche, und es wird anders rezipiert als bei Männern.
  3. Problem ist, dass Frauen ständig definiert werden – und damit reduziert.
  4. ‚Wo die Geschlechter  doch so verschieden sind, ist das nicht normal?‘ – Ja, es ist normal, aber: Wer bestimmt denn, was genau die Unterschiede sind?
  5. ‚Willst Du alles gleich machen?‘  – Nein, aber ich will trotzdem mitspielen!
  6. ‚Männer trifft das doch genauso, und auch Frauen machen mit‘ – Ja. Und?
  7. Frauen werden gerne rezipiert als Spezifizierung eines Themas:„Frauen im Internet“, „Frauen als Führungskräfte“ – das nimmt dem eigentlichen Thema und damit den Aussagen der Frauen die Allgemeingültigkeit
  8. Es geht um die Gesellschaft, die wir gestalten: Ich will nicht als eineFrau als Mensch“ wahrgenommen werden – sondern als Mensch. (Oder Bloggerin. Oder ggf. Führungskraft, oder, oder…)

Alles klar jetzt?
Noch Fragen?
Schön, wer mehr Erklärung mag…

Letzte Station war bei annalist .

Problem sind nicht die einzelnen, konkreten Beispiele. Was mich stört ist nicht per se, dass irgendjemand auf der Arbeit einen Tittenwitz reisst, während ich daneben sitze.
Oder dass gefragt wird, ob eine Frau, die einen gewünschten Karrieresprung nicht schafft, nicht vielleicht „selbst schuld“ ist (weil sie vielleicht nicht genug qualifiziert ist oder nicht hart genug oder…).
Oder dass in jedem Werbespot immer die Frauen die Windeln in der Hand haben.
Oder dass Blogs von Frauen weniger wahrgenommen werden.
Oder dass Frauen sich auf Fotos überall um mich herum sexy auf Autos räkeln.
Oder dass es Frauen- und Männermagazine gibt, die sich nun mal mit genau diesen Inhalten (Technik, Mode…) oft genug verkaufen, dass es sich lohnt, sie genau so zu publizieren.
Oder dass mich jemand zickig nennt, wenn ich auf meinem Standpunkt beharre (der natürlich richtig ist :-)).
Oder dass meine Lösung mal nichts gilt, bis sie ein Mann im gleichen Meeting wiederholt hat (ist ja 1. nicht immer so; 2. passiert Männern ja auch).
Oder dass Männer (und Frauen) die ganze Aufregung nicht verstehen.

Mich stört das Gesamtpaket!
Für jedes einzelne konkrete Problemchen kann es auch eine andere Erklärung geben, richtig.
Frauen sind nicht gut genug und/oder sie pushen/netzwerken zu wenig, definieren und verhalten sich ja selbst so…und verdienen deshalb weniger in gleicher beruflicher Position. Vielleicht schreiben Frauen meistens schlecht und ihre Gedanken sind langweilig.  Solche Dinge kann niemand pauschal beweisen noch widerlegen.
Vielleicht lachen die witzelnden Kerle über meine Pointe erst dann, wenn sie einer von ihnen selbst wiederholt, weil sie mich einfach weniger mögen (als sich untereinander). Vielleicht bin ich im Meeting kein Opinion Lead. Klar, ist gut möglich.
Aber, wenn der Witz oder das Argument doch gut war, warum ist das dann eigentlich so?
Weil witzige Männer sympathischer sind als witzige Frauen?
Weil man, um Meinungsführer zu werden, dominant (oder whatever) sein muss? 
Und wenn ja, warum ist das so?
Warum passt es nicht anders ins Konzept?

Frauen machen alles Mögliche, und es wird anders rezipiert als bei Männern.
D‘accord?
Kann man ganz einfach testen. Ein Mann tut etwas. Du wirst darauf aufmerksam. Frage Dich: wie wäre es, wenn eine Frau das gleiche getan oder gesagt hätte? Wie würde ich darüber denken? Und wie die meisten anderen um mich herum? Und in welchen Fällen würde jemand etwas anderes denken oder fühlen?

Ein Problem ist, dass Frauen ständig definiert werden. (Und sich auch dagegen definieren). Z.B. „Frauen sind einfach so, dass sie weniger dominant sind und Männer finden das attraktiver weil (es evolutionsbiologisch sinnvoll  ist) und deshalb gibt es das Problem“
Die Definition an sich ist für mich Sexismus. Und mit dem optionalen Verweis auf genetisch bedingte Unterschiedlichkeit des sozialen Verhaltens ist es Faschismus. Aber ich will nicht mit solchen Begriffen totschlagen.

Was ist daran schlecht, Unterschiede zu definieren? Wo wir doch so verschieden sind, ist es nicht normal?
Ja, es ist normal. Aber sind wir so verschieden, so sehr und genau so? Oder werden wir auch durch unterschiedliche Reaktionen und  Interpretationen verschieden gemacht?

Der allgemeine Blocker an dieser Stelle  ist: Willst du alles gleichmachen?
Nö, will ich nicht.
Ich will nicht aggressiv sein müssen oder nervtötend, um mich sachlich durchzusetzen. Ich will aber trotzdem mitspielen! Und ich gebe mich mit „selbst schuld, wer die Regeln nicht akzeptiert“ hier nicht zufrieden. Das hieße, aufzugeben, eine Gesellschaft aktiv zu gestalten. Das ist Biologismus: Ist (evolutorisch) so, …dass aggressive Männchen einen Vorteil haben etc…, kann man nicht ändern.
Und es stimmt natürlich so nicht, sonst wären Frauen ja nie an die Hochschulen, ans Steuer eines KfZ oder in irgendeine Führungsetage gekommen. Dafür waren sie auch schon mal biologisch ungeeignet (werden hierfür noch Quellen benötigt, irgendjemand?)

Historischer Ballast, den wir überwunden haben? Nein, wir werden ja immer noch definiert und verdienen weniger Geld.
Ein Beispiel, an dem sich die Diskussion entzündet ist die öffentliche Aufmerksamkeit: Frauen werden öffentlich sehr, sehr oft in einen definierenden Zusammenhang gestellt: „Frauen und…“ das Internet, Technik, Führungspositionen. Also eine Frau, die einen Blog schreibt, ist – öffentlich häufig –  nicht eine Bloggerin, sondern eine Frau als BloggerIn. Durch diesen bedingenden Zusatz werden Personen und ihre Meinungen eingeschränkt. Die Person wird damit sehr viel weniger aufgrund des Sachinhaltes wahrgenommen, sondern explizit als eine Frau in diesem Sachinhalt – der sachliche Beitrag tritt dahinter dann zurück, er wird verengt in seiner Gültigkeit auf den Bezug „Frau“. Und damit geht es mehr um die Rolle der Frau, das Thema dahinter verliert seine Allgemeingültigkeit.

Wer bestimmt denn, was genau die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind? Und woher kommt diese Definition? Wem nutzt sie?  Mir nicht. Und sie passt nicht auf mich.

Wie verschieden wir genau sind, ist mir eigentlich egal. Ich will mich nur nicht immer wieder erklären müssen.  Ich lese keine Modezeitschrift und ich sehe lieber Actionfilme. Klar kann ich das alles machen, hindert mich ja keiner – da ist nicht das Problem. Aber irgendwann höre ich z.B. auf, witzig zu sein, wenn keiner lacht.
Unterschiedliche soziale Reaktionen formen Verhalten.
Ich höre auf, die beste Problemlösung im Meeting einbringen zu wollen, wenn mir zu wenig zugehört wird oder die Anerkennung dann an einen anderen geht.
Trifft ja auch Männer: wenn sie z.B. wenig beruflichen Ehrgeiz haben. Klar, zwingt sie ja keiner zur Karriere. Aber die Paarungschancen werden dann häufiger als gemindert beklagt.

Wollen wir vielleicht einfach mal alle versuchen, es anders zu machen? Wollen wir vielleicht auch mal bei den Männertypen im Meeting, die auf ihrer Meinung beharren genauso genervt sein wie bei einer Zicke? Oder es probehalber bei beiden gleichermaßen honorieren, einfach nur, weil es sachlich richtig ist? Oder mal die vielen Väter medial positiv abbilden, die ihr Kinder wickeln?

Dafür gebe ich gerne ein paar ‚Weibchen‘-Privilegien, die es natürlich auch gibt, auf.

Es geht nicht um meine Karriere, meine Chancen bei Männern oder irgendein persönliches Einzelschicksal. Es geht um diese Gesellschaft, die wir alle gestalten.  Und in der ich und andere vielleicht auch deshalb manchmal freiwillig darauf verzichten, Raum einzunehmen, weil die sozialen Hürden dazu höher sind als für viele mit dem anderen Phäno&Genotyp, Männer. Das ist natürlich nicht der eine Grund für alles, im Schnitt kommt es aber einfach zu häufig vor, als dass immer nur Individualerklärungen greifen könnten.
Das ist nicht richtig.

Es geht um die Welt, in der ich lebe. Ich will darin nicht als „eine Frau als Mensch“ wahrgenommen werden.

Und noch besser erklären kann das Antje Schrupp

Advertisements

Über liva2lox

bulls and bears of the absurd minds of thaddäus grotgen and some of his alter egos --- willkommen in meiner ideellen badestube! klistierspritzen für die seele - tauch’ eine weile unter die schaumkrone lauwarmer seifenfilosofie, verspür’ die erleichterung weltanschaulichen aderlassens oder salbadere bei einem ridikühlen getränk einfach mit in fremden blechzubern …hier bist du mit sicherheit.

8 Kommentare

  1. Angelika

    danke ! gut & besser geschrieben als ich es könnte.
    // ausdrucken und einrahmen //

  2. liva2lox

    Danke viemals!
    Ich hoffe, wir können das Gerahmte dann bald wieder abhängen und verbrennen :-)

  3. Angelika

    liebe liva2lox, dafür setze ich mich/das hoffe ich schon seit mehr als 20 jahren/ein. stattdessen sehe/erlebe ich (wie du ja auch ?!) ständige backlashes …

    also // ausdrucken & an andere verteilen //

  4. Nomi

    früher habe ich geglaubt,dass ein mentaler wandel möglich wäre um über das ‚patriarchat‘ hinwegzukommen.Patriarchat -damit meine ich generell die Position der Frau in Gesellschaft -> wenn man frau das mMenschsein abspricht .Leider stimmt die Aussage(bei uns im Partirchat):wenn man zu jemand aufschaut,so ist es gott und wenn frau zu jemand aufschaut,dann zum man (bitte nicht aufregen,liebe amazonen-feministiNnen)
    ich kann dich,autorin, nur zu gut verstehen
    jetzt bin ich davon überzeugt,dass wir die gleichbehandlung theoretisch nur mittels gleichmacherei erreichen können ,ergo es muss ein(oder viele-viele variationen) geschlecht existieren (damit das eine das andere nicht runtermachen kann->es heisst nicht umsoonst der kampf der Geschlechter) ich weiss nicht,bin ich zu radikal mit meinen Schlüssen ?naja.ich hab keinen,mit dem ich über solche themen reden kann,die weibl.persoen sind mit ihrem Frausein zufrieden und gar glücklich,vestehen meine Diskepanz net
    zu dem punkt 7: ja,frauen sind eine minderheit ob eine schützenswerte oder nicht,wird immer von dem fall entscheden: akzeptiert die Gesellschaft oder toleriert sie lediglich(und bei Toleranz kann das Wohlwollen,die Nachsicht jederzeit abgesprochen werden)->beispiel ,achtung (Klischeehaft) wir werden ein muslimischer staat(ich bin nicht irgendwas-phob und nicht rassistisch,aber wir wissen ja wie der Islam es mit den Frauen hält)
    und vom biologischen her sind weibchen im nachteil,man kann leicht den eindruck bekommmen,es seien im Grunde brüht- und aufziehmaschinen
    biologisch bedingt sind frauen be/ver/hindert, nicht so frei in der Mobilität ich mag einen vergleich anstellen,die blümchen& die binnchen,die blume steht da,fest im boden verwurzelt,und die binne kommt und bestäubt diese und fliegt weiter,die blume aber kann nicht weg(die bürde des Gebärens) ,aber der mann kann also die biene ist mann und blume ist frau. Versteht ihr ,was ich meine ?:die Schlussfolgerung ist die,dass Frau wenn sie nicht ständig schwanger werden kann,auch so frei wird wie der Mann schon ist.Also aus dem partiarchalen Gesellschaftskonzept heraus gedacht natürlich.Bei einem anderen Modell wäre die Schlussfolgerung auch eine andere :D
    Und ich will frei sein um jeden Preis,also ist es folglich so ,dass Leute an MachtPositionen kommen genauer gesagt Frauen,sie so maskulin-vom Behavior sind.Weil es ungleiche Startvoraussetzungen gibt bei m./f. ich glaube auch wir werden zu mann/frau gemacht und nicht geboren.Geboren werden wir als Kinder und sofort setzt die scheusliche Differenzierung(schlimmes Verbrechen imho!!!) ein,deformiert werden Kinder durch pink/blau-Macherei und spätere Möglichkeiten in Entwicklung reduziert.
    deshabl finde ich es lächerlich, wenn man versucht die Welt kognitiv umzupolen,all die versuche mit dem Plural in der Endung _Innen und so,weil die biologie bleibt ja da,egal wie vernünftig und gerecht menschen werden,der Faktor Mensch wird ja bleiben (und der allein führt einiges zum scheitern)Die Software wird auf den neusten Stand gebracht und die Hardware ist uralt.
    und verdammt noch mal,wir sind in 2000 jahre nach Christi heute und keiner kann die menstruation abschaffen,ich meine ja wir haben human enginiering (nicht der passende begriff,eher im sinne von transhumanismus,also konstruktion und neuerung des Menschen) ,wieso kann das niemand in angriff nehmen(und kommt jetzt nicht mit Pille etc)Wie wär es mit einer Pille,die nehme ich ein und kann dann ein Kind bekommen ?! Ich meld mich freiwillig als menschliches Versuchskaninchen ?! (Ich bin doof und kann mich net anfreunden,dass ich ein Säugetier bin!!!weil es gibt angeblich tiere ,die können nur zur bestimmten zeit trächtig werden,wenn sie in hitze sind (also katzchen und hündchen vll.)
    sind wir nicht der zeit verpflichtet,respekt zu zollen??Wir müssten uns an die von uns gemacheten begebenheiten anpassen(schnelles Tempo des heutigen Lebenswandels und ständige Entwicklung)Und unsere Körper sind dazu gemacht,auf den Bäumen zu hocken und rohes Fleisch zu essen.Das ist in etwa so kompatibel,wie Internet auf dem ersten Handymodell.Die Software wird aktualisiert,die Hardware aber nicht.

    ich weiss,dass wenige meine Meinung teilen werden und bleibe dennoch optimistisch auf einen Wandel in den Köpfen der Menschen

  5. Malte

    Eine gute Idee, das außerhalb von Facebook weiter zu diskutieren.

    Der erste Gedanke, der mir beim Lesen Deiner, die Situation gut zusammenfassenden, Zeilen kam war, dass man da ein wenig trennen müsste zwischen Dingen, die wo man einfach die Regeln noch ein bisschen weiter ändern muss und solche, wo man aufgrund existenter biologischer Unterschiede schon in der Erziehung von Kindern eingreifen muss.

    Das mit dem Zuhören und Durchdringen mit Argumenten geschieht zu einem Teil ganz einfach unwillkürlich. Eine tiefere Stimme erzeugt mehr Autorität. Nicht, dass ich das gut finde oder glaube, dass Männer zu „bessere Lösungen“ kämen – dafür gibt es zu viele Gegenbeispiele, dass ich mich auf dieses Eis begeben würde. Aber als im März auch noch einen Hund bekamen, war er zwar meiner Frau mehr zugetan, wenn er sich aber ins Feld abmachte, konnte Manon rufen wie sie wollte und wenn ich Maggy einmal rief war da ein ganz anderer Effekt. Kein anderes Tier hat sich der parasitären Spezies Homo sapiens in gleicher Weise mit Leib und Seele hingegeben wie Hunde. Und scheinen über die Jahrtausende ein Gespür dafür entwickelt zu haben „auf wen zu hören ist“. Von daher kann man an diesem Punkt nicht einfach Regeln aufstellen wie etwa beim gleichen Lohn, sondern muss aktiv und ganz früh in der Erziehung eingreifen, dass JEDEM erst einmal zugehört werden muss.

    Ich habe da manchmal dass Gefühl, dass die tatsächlich bestehenden Unterschiede zu wenig aufgearbeitet sind, weil man genug damit zu tun hatte, Druck und Gegendruck zu erzeugen. Dabei wird notwendigerweise nicht mehr richtig nachgedacht. Bei Frauen in der Vorwärtsbewegung schon deshalb, weil drei Schritten vorwärts so gut wie immer zwei Schritte rückwärts folgen (der Mensch ist ein Gewohnheitstier) und beim Mann setzt irgendwann das prinzipielle innere Versteifen ein – dann wird der Militant-Modus freigeschaltet und es werden auf Teufel komm raus Positionen gehalten, die ihm eigentlich nichts mehr bringen, aber wenigstens die andere Seite ärgern und etwas von „Gesicht wahren“ haben.

    Dabei glaube ich zutiefst, dass der Erfolg der Demokratie in Deutschland im zweiten Anlauf, der lange Friede, der nach Jahrhunderten des sinnlosen Gemetzels in Europa herrscht und viele andere positive Entwicklung entscheidend auf einer stärkeren Beteiligung von Frauen in allen gesellschaftlichen Bereichen zu tun hat. Selbst Bundestagsdebatten sind nicht mehr die Hahnenkämpfe der Siebziger und so gut wie alle Parteien haben sich nach und nach sozialdemokratisiert. Da wird mehr miteinander als gegeneinander angeredet. Insofern gibt es an der einen oder anderen Stelle berechtigte Hoffnung auf einen grundsätzlichen (und notwendigen) Bewusstseinswandel.

    Noch ist dieser aber im wesentlichen eine Folge von gesetzlichen Stempeln die aufgedrückt werden. Und Regeln sind, seit man das erste Mal nicht noch einen zweiten Nachschlag vom Pudding bekommen hat, vor allen Dingen eines: doof. Von daher wäre sollte man parallel zur gesetzlichen Festlegung von Frauenquoten (die ich für notwendig halte, weil sich freiwillig niemand bewegt) und Equal Pay vor allen Dingen die positiven Aspekte der Gleichberechtigung für die Gesamtgesellschaft stärker kommunizieren. Es geht darum, dass Bauchgefühl in puncto Gleichberechtigung umzupolen. Oder auch, dass der Kopf in manchen Fragen die Oberhand behält.

    Wenn Bauch sagt „hohe Stimme, kann also ’nur‘ ein Kind oder eine Frau sein“ dann sollte im Kopf genügend Zivilisation angekommen sein, dass man sich darüber hinwegsetzt. Nur sollte man das Bauchgefühl nicht negieren, sondern daran arbeiten. Und das Ganze erst einmal runter brechen, woher die Probleme rühren. Ist ja nicht nur die Stimmlage, sondern auch das komplexere Denken von Frauen, wo gleichzeitig emotional und rational im Hirn gearbeitet wird – da muss das Klügere Hirn dann auch mal nachgeben und die Männer da abholen, wo sie geistig stehen….manchmal kann man Frauen auch ganz einfach nicht verstehen und ein Mann, der die Idee aufgeschnappt hat, kriegt das einfach besser „artgerecht“ aufbereitet :)

    Ok. – soviel kleine Provokation am Schluss musste sein. Soweit erstmal.

  6. Malte

    Und dann fiel mir doch noch das mit den geringeren beruflichen Ambitionen und den Paarungschancen auf: natürlich ist es auch ein Problem, wenn Weibchen, sobald es um mit in die Kiste nehmen geht, eben doch auf Hahnenkampfgehabe stehen und evolutionär auch noch nicht wirklich weiter gekommen sind. Hahnenkämpfe sind am besten zu unterbinden, wenn die sich Aufplusternden feststellen, dass da ein paar Frauen verständnislos milde lächelnd dasitzen mit einem kleinen Auslachen in Mund- und Augenwinkeln…auch das geschieht immer noch zuwenig. Und da müsste mehr Solidarität zwischen Frauen herrschen.

  7. liva2lox

    Ich glaube, mehr Solidarität einzufordern wird das Problem nicht lösen, Ich verstehe auch nicht, was bei diesem speziellen Beispiel Solidarität ausrichten könnte.

    Zu trennen in „biologische = unabänderliche“ Faktoren und andere, halte ich für sehr gefährlich, wenn auch vermutlich einen wichtigten Schritt. Es ist halt so, dass wir viel als biologisch annehmen, was es faktisch nicht sit (die Forschung dazu, wie individuelles Verhalten die Hirnphysiologie beinflusst und Gene an- oder abschaltet ist ja quasi noch in den Kinderschuhen). Du hast jedenfalls Recht, dass faktische Phänomene manchmal zu wenig, oder zu einseitig, aufgearbeitet werden und hier eine hindernde Selbstzensur der Diskussion stattfindet, die entsprechende Reflexe produziert.

    Was die Paarungsschance betrifft ist ein hervorragendes Beispiel für faktische (womöglich biologische) Probleme: Es geht ein wenig darauf hinaus, das Beuteschema zu ändern, oder? Das halte ich für den schwierigsten Startpunkt, ehrlich gesagt. Ich glaube, das kann meistens erst am Ende stehen, wenn ich schon viel allgemein reflektiert habe und an meienr Wahrnehmung verändert. Weil es bei „worauf stehe ich“ halt nie in erster Linie um Rationales geht (Pauschalurteil; ~ meistens)
    Männer finden nunmal meist jungem hübsche Frauen attraktiv. Das werde ich ihnen nicht austreiben können. Problem ist doch dabei eher: Frauen, die nicht attraktiv gefunden werden, existieren quasi nicht. Finden (pauschal) Männer Frauen als Menschen einfach uninteressant?

    Ist das Problem vielleicht nicht eher, dass wir den Paarungsaspekt zu sehr auf unser allgemeines Sozialverhalten ausdehnen?

    Ich habe kein Problem damit, mehr Geld zu verdienen als mein Partner und hätte keine konzeptuellen Probleme mit einem Hausmann. Das ist noch nicht mehrheitlich so, trifft aber auf die meisten Frauen in meinem Bekanntenkreis zu. Wir alle hatten, oder haben bereits mehrjährige Beziehungen, in denen das so ist. Damit will ich sagen: ich sehe das in Änderung begriffen. Dazu gehört aber auch, dass Männer sich diese Rolle(n) überhaupt öffnen wollen.

    Die Partnerrolle ist, denke ich, eben meist auch eine übermächtige soziale Rolle, auch wenn sie gar nicht gebraucht wird in einer Situatiom. Was das Thema „Hahnenkämpfe“ betrifft: das verselbstständigt sich meiner Beobachtung nach, will sagen, die werden auch ausgeführt, wenn keine Frau in der Nähe ist (die man beeindrucken wöllte). Auch bei Frauen ist ja die „Schönheitskonkurrenz“ auch in reiner Frauengesellschaft wichtig (wenn sie den Personen überhaupt wichtig ist).
    Wie erlebst Du das eigentlich? Hast Du eine veränderte Identität durch Deine Rolle? Einen anderen sozialen Status? Wirkt die Biologie (dunkle, männliche Stimme wirkt autoritärer) beim Kind genauso, oder ändert sich da was durch die Rolle? (Ich finde Vergleiche mit dem Tierreich reaktionär und nicht übertragbar, deshalb lasse ich das mit der Hündin mal aus)

    Das alles habe ich verstanden (und ja, auch ausgenutzt), so lange die Phase der Partnerwahl und der hormonellen Jugendlichkeit andauerte. Was mich erstaunt ist, dass diese Mechanismen ~10 Jahre später immer noch so greifen. Das würde für mich darauf hindeuten, dass die „sexuelle Identität“, die sicherlich beim Heranwachsenden eine der größten Anteile ausmacht, unsere Identität dauerhaft(er) bestimmt. (Studien besagen, dass sich die in messbarer Anzahl erst nach Menopause / Kinderaufzuchtsphase wieder ändert).
    Ich persönlich habe eine andere Identität jenseits der ‚attraktive Frau‘. Das nicht zu haben, wird vermutlich mit steigendem Alter zu Frustration bei Frauen führen und vielleicht auch zu mehr men-blaming, wie Du beschrieben hattest auf FB. Insofern enthält der schlechte Cicero-Artikel ja etwas Wahres.
    – Was ich interessanterweise gar nicht so wahrnehme, dass „den Männern“ so oft die Schuld gegeben wird an der persönlichen Situation. (Unterschiedliches Umfeld oder unterschiedliche Wahrnehmung?). Ich erlebe im Gegenteil hier extreme Selbstbezichtigung: Bin ich nicht … genug? Liegt es an mir?

    So, was ich ganzu großartig finde: die Erfolge für alle mehr herausstellen. Es ist gearde ein schicker Forschungsansatz, gesellschaftliche Fortschritte auf den Emanzipationsgrad einer Gesellschaft nicht nur zu korrelieren, sondern zurückzuführen. Gerne mehr davon. Gerne individualisiert.

  8. Malte

    Das mit der Solidarität war so gemeint,dass männliches Gehabe immer noch ziemlich erfolgsversprechend ist, was das Interesse wecken bei Frauen betrifft. Und solange man als Mann mitbekommt, dass weiterhin häufig die größten A…. sind, die meisten abbekommen während man mit zuviel Verständnis schnell zwischen die „leider nicht schwuler Freund“ Schublade kommt, gibt es wenig Gründe, als Mann das eigene Verhalten grundsätzlich zu hinterfragen, da es ein mindestens ausreichendes Maß an Frauen ja offenkundig gar nicht anders will.

    Dass da auch bei Frauen Kopf und Bauch nicht zusammen gehen und es dann heißt „netter Kerl aber….“ kriegt man ja nun häufig genug mit. Von daher wird sich das grundsätzliche Problem nie vollkommen lösen sondern nur in Teilen bändigen lassen. Ich sehe da Chancen, wenn man bereit ist, das Ganze spielerischer zu begreifen. Nachdem Sex trotz aller überdeutlicher und überzeichneter Präsenz in allen Lebenslagen in der Realität der Zweisamkeit ja dann doch ein vom sonstigen Leben abgesonderter Teil ist, spricht da nichts gegen Rollenspiele, die mit den eigentlichen Leben nichts zu tun haben. Und auch wenn ich Dir rechtgebe, dass es vernünftiger wäre, Paarungsangelegenheiten an den Schluss einer Debatte zu setzen und es mir eigentlich noch lieber wäre, dass gar nicht thematisieren zu müssen, ist es halt doch wie eingangs erwähnt ein Grundproblem, weil Machoverhalten nicht nur innerhalb einer Männergruppe sondern auch gegenüber Frauen immer noch „Erfolge“ zeitigt.

    Nachdem es mit dem Fußball ganz gut geklappt hat, eine Art „Ersatzkrieg“ mit weit weniger verheerenden Folgen zu etablieren, halte ich es zumindest für möglich, die zur Erweckung gegenseitigen Interesses notwendige Spannung auf einer Ebene herbeizuführen, bei der im Hinterkopf (bei halbwegs vernünftigen Leuten) immer mitschwingt „Es ist nur ein Spiel“. Dann wäre gegenüber Vollblutmachos eine ähnliche Abgrenzung möglich wie gegenüber Chaoten im Stadion.

    Mehr als den Gedanken kriege ich heute nicht mehr hin – mein kleiner Bruder hatte gestern Junggesellenabschied und neben Übermüdung und leichtem Kater brodelt da auch noch ein bisschen Testosteron auch wenn das zu diesem Anlass „Übliche“ gemieden wurde.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: