Links zur politischen Woche: über das Heilige, den weiblichen Körper und geistiges Eigentum

Wie immer kurz nach aktuell, Wunstwerks Kurzkommentare mit Links auf das  Zeitgeschehen.

Die Mohammedschmähungen. Nein, ich sage nichts zu dem konkreten Vorfall.
Aber zur juristischen Lösung.
Es darf keine Religionsgesetze geben. Also nicht nur keine Erlaubnis für Schächtungen, Beschneidungen oder zur Schulsportverweigerung aus religiösen Gründen, sondern auch keine Gotteslästerungsparagraphen.
Aber.
Wenn wir wollen, dass der eine oder andere Ritus oder religiöses Gefühl möglich ist, dann müssen wir prüfen, ob wir eine Handlung eben grundsätzlich rechtlich schützen (oder sanktionieren) wollen.
Wenn wir rechtlich regulieren wollen, vielleicht auch nur, weil wir es für den sozialen Frieden zu müssen glauben, was die Meinungsfreiheit sagen darf und was nicht, dann brauchen wir einen übergreifenden Maßstab. Dann ist eben eine unerträgliche Schmähung, zum Beispiel über Volksverhetzung, generell verboten, und nicht nur gegenüber dem Heiligen. Sondern ggf. auch gegenüber einer Präsidentengattin oder einem DsdS-Opfer oder einer Piratenpolitikerin. (Was dann vielleicht eher über Beleidigung als Volksverhetzung zu lösen wäre.) Rein hypothetisch gesprochen.
Schön dazu ist dieser Kommentar von Heribert Prantl: Die Verzwergung des Heiligen.
Ach ja, wer entscheidet dann, was eine unerträgliche Schmähung ist? Das Anstandsgefühl aller billig und gerecht Denkenden, die tatsächliche Verhetzung von Volksteilen, und, letzten Endes, die Referenzurteile des nächsthöheren Gerichts -oder schlicht die Persönlichkeit des Richters.
So wie immer.

Kate, damals noch Middelton, war irgendwann mal oben ohne im Garten. Warum das ein Skandal ist, wo der öffentliche Raum sich vor abstrakter Sexualisierung kaum scheut? Will sagen: überall Brüste zu sehen und davon zu sprechen, ist ok. Aber eine konkrete Person, die an den Brüsten hängt, die ist offenbar ein Problem.
Sehr schön schreibt dazu Michele Binswanger über die Skandalisierung des weiblichen Körpers
Zu dieser „Entpersonalisierung“ des (potentiell sexuellen) Körpers passt für mich auch die immer noch laufende 609060 Aktion. Vor allem auf Twitter posten „normale Menschen in Oberbekleidung“ Bilder davon, wie sie aussehen, wenn sie morgens das Haus verlassen: Normal eben.
Nice & right, aber ich werde trotzdem nicht mitmachen.

Warum? Es geht um Informationskontrolle. Genau der Grund, warum ich keine Bilder auf Facebook habe oder nur unter Pseudonymen online bin. Ein Bild von mir, auch ohne Kopf, ist nicht anonym. Es gibt Aufschluss über Geschlecht, Alter, Attraktivität, Schichtzugehörigkeit und (modische) soziale Gruppenzugehörigkeit. Und das nicht nur potentiell, da ja auch das Fehlen gewisser Merkmale eine Aussage bedeutet.
Natürlich bin ich nicht anonym. Wer will, der findet fast all das heraus, alleine schon auf diesem Blog und ohne Hackmethoden. Aber, wer das will, der muss es eben auch explizit wollen und sich diese Kategoriesierungen zusammensammeln, statt sie auf einem Bild präsentiert zu bekommen. (Ob das dann  mit einer größeren Verarbeitungstiefe einhergeht, bleibt freilich abzuwarten. Aber ich lasse es darauf ankommen.)

Ich bin eben, so viel Kategorie sei verraten, ein digital Partialist, also positiv-restriktiv digital. Ein Begriff, der unter den Bedingungen der Creative Commons Lizenz BY-SA gerne verwendet werden darf. Ich bin nämlich dessen Urheber. Also, die erste Person, die das veröffentlicht (,hier,) und lizensiert hat. Das geistige Eigentum daran teile ich dagegen gerne mit all den vielen, die sich das auch schonmal ausgedacht hatten.
Nachdem das bislang mein ganzer Verständnisstand zur Urheberrechtsdebatte ist, sage ich nichts zur Piratin&Autorin Julia Schramm und der Entfernung der frei verfügbaren Kopie ihres Buches durch den Verlag, auch wenn ich gerne würde. Aber Stefan Niggemeier hat etwas dazu gebloggt, was ich lesenswert finde. (Und ich gehe mal in mich, wie schlau ich mich dazu machen möchte, bevor ich dazu etwas schreibe.)

… aber, noch ein unnützes Schmankerl dazu: das Urheberrecht an dem schönen Begriff Weltschmerz wird dem Dichter Jean Paul zugeschrieben, wie die Tafeln im oberfränkischen Sanspareil, das er wohl einmal besucht haben muss, erläutern. Danke, Jean Paul, ohne Sie wäre mein rhethorisches Leben ärmer!

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Creative Commons Lizenzvertrag
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Über liva2lox

bulls and bears of the absurd minds of thaddäus grotgen and some of his alter egos --- willkommen in meiner ideellen badestube! klistierspritzen für die seele - tauch’ eine weile unter die schaumkrone lauwarmer seifenfilosofie, verspür’ die erleichterung weltanschaulichen aderlassens oder salbadere bei einem ridikühlen getränk einfach mit in fremden blechzubern …hier bist du mit sicherheit.

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