re:publica13, der köchelnde frosch

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(ein Text ohne die Worte ‚Netzgemeinde‘, ‚Klassentreffen‘ und ‚Sascha Lobo‘)

Es ist er sicherlich 50. Blogbeitrag zur re:publica 2013, das weiß ich sehr wohl. Deshalb suche ich ja auch Aufmerksamkeit mit dem ein wenig reisserischen Beititel: der köchelnde Frosch. Das ist der, die im Topf mit Wasser auf dem Herd steht und sich garen lässt.

Die re:publica 2013 in/side/out war sehr gut organisiert. Bis auf die Essensversorgung klappte alles entspannt und gut. Abgesehen davon, dass es natürlich nicht mehr so wie früher war, weil viel mehr Leute, viel mehr Vorträge, und sogar W-Lan.

Aber etwas hat mir doch gefehlt: die Kontroverse

Es ist gar nichts dagegen einzuwenden, dass sich digital Selbstständige wie Kathrin Passig (@kathrinpassig) oder Christian Heller (@plomlompom) oder Jan Uwe Fitz (@taubenvergrämer) etc. mit ihren Büchern und Projekten selbst vermarkten wollen, es ist eher konstituierend für ein einstmaliges Bloggertreffen. Blogger aus aller Welt, sogar der militärischen, ein wenig Zukunftstechnologie, Twitterer feiern sich beim hl. Abendmahl, passt alles sehr schön zur Festival-Idee.

Dass digitale Lobbyisten wie die digitale Gesellschaft (@digiges), Netzpolitik.org (@netzpolitik) oder die Open Knowledge Foundation (@okfn) eigene Podien stellen, die sie auch homogen besetzen, ist auch etwas, was ich erwarte.

Aber der Frosch siedet in einer recht homogenen Menage vor sich hin.
Vielleicht war ich ja bei den falschen Veranstaltungen.

Podium: Let’s talk about content
als intermediate Discussion, also Diskussion mit Vorkenntnissen angekündigt und erfreulich moderiert von Uta Meier-Hahn
behandelte die Infrastruktur des Internets und deren Auswirkungen: der technische Ausbau, Content Delivery Networks, welche Inhalte regional spiegeln, war vertreten durch Claus Landefeld von eco. Netzregulation vertrat Cara Schwarz-Schilling von der Bundesentzagentur. Als Netzbetreiber und Content-Anbieter saß die Telekom in Gestalt von Jan Krancke mit am Tisch und schließlich noch Anwalt und Dozent Jan Schlauri als Netzwissenschaftler.

Ein vereinzelter Buhruf folgt Jan Kranckes Vorstellung. Seine Versprechen „die Telekom will das freie und offene Internet“ auch, weiterhin, und immer, erntet nicht nur kein Gelächter, sondern auch keine kritische Nachfrage. Frau Schwarz-Schilling von der Bundesnetzagentur avanciert fast zu everybody’s Darling und gibt der Telekom nur selten Contra. Keiner wolle schließlich die Verstaatlichung des Netzes, womit eine öffentliche Aufgabe der Sicherung von Infrastruktur, auch für das Internet, abgehandelt scheint. (Der US-amerikanische Netz-Lobbyist Ben Scott wird diesen Gedanken erst wieder den anwesenden deutschen Nutzern näherzubringen versuchen, s.u.) Die anschließende Fragerunde ist auch nachgeradce zahnlos harmonisch. Ich bereue, mich nicht schon vorher stärker mit dem Thema auseinandergesetzt zu haben, sodass sich nicht schnell genug kritische Fragen heraustrauen. Es gibt keine technische Notwendigkeit, keinen ausreichend gestiegenen Datenverkehr, der einen durch Deckelung der Internetflatrate erreichten Preisanstieg rechtfertigte. Dass die Telekom eben einfach als kommerzielles Unternehmen mehr verdienen mächte an mehr Benutzung, wird nicht hinterfragt. Dass sie ihre eigenen Inhalte bevorzugten, dieser Einwand wird gebracht. Aber an Jan Kranckes o.g. Versprechen perlt dieser nachgerade ab. Einzig die Forderung nach Transparenz (wann habe ich mein Datenlimit denn erreicht) wird noch formuliert.

Die Veranstaltung war durchaus interessant, und ich bin endlich motiviert, mich mit Netzneutralität weiter auseinanderzusetzen. Aber ein ungutes Gefühl bleibt.

Und die Frage: wo waren eigentlich die Netzpolitiker der Parteien bei diesem Thema? Die ja alle so besorgte Schreiben an die Telekom richteten?

Etwas später: Net Neutrality, ein Vortrag für Anfänger.
Ben Scott versucht uns zu begeistern dafür, dass die Versorgung mit Internet eine gesellschaftliche Aufgabe sei, kein rein ökonomisches Geschäft. Er arbeitet seine Begeisterung genauso am Publikum ab wie an Hannah Seiffert (eco) und Markus Beckedahl (netzpolitik.org).
Man habe ja schon viel versucht, aber mit Netzneutralität liesse sich nicht nicht nur die Enquete Kommsission Internet, bei welcher Markus Beckedahl (ich glaube, für die Grünen) mitarbeitete, sondern auch der deutsche Nutzer nicht erreichen. Ich glaube das gerne. Die Enquete Kommission kam ja auch zu keinem Ergebnis (außer der Empfehlung eines ständigen Ausschusses), zumindest in der Netzneutralitätsfrage, und im Saal springt auch niemand vom Stuhl. Am meisten Energie schien noch Hannah Seiffert für die Internetwiortschaft aufzubringen, die natürlich kein dramatisches Problem sieht,  weil auch wirtschaftliche Interessen da wären, dass jedes Datenpaket gleich relevant das Netz durchqueren könne. (Mit ein klein wenig Regulation at least)

Also wiederum weder auf dem Podium (dass in diesem Fall allerdings auch nicht als Diskussion ausgeschreiben war) noch aus dem Publikum gibt es Gegenwind.

Es  in dieses Bild passt mein Eindruck aus dem Talk, Pardon, der Diskussion, Das kleine Digitale und das große Ganze. Internetaktivismus, Netzbewegung und Politik. Kathrin Ganz (@ihdl), Anne Roth (@annalist) und Hans Christian Voigt (@sbsm) nehmen soziologisch und aktivistisch Bestand auf,  was, zumindest für mich als soziologischen Laien, vor allem ein eher rückwärtig gewandtes Sammeln von Fragen und Problemen wird. Es war ja auch als Veranstaltung für Fortgeschrittene gedacht, was ich wohl nicht bin. Aber unabhängig vom Inhaltlichen, das ich vielleicht zu wenig verstanden habe, bleibt ein Gefühl von leichter Resignation. Die gesellschaftlichen, sozialen Probleme äußern sich eben auch online, es gibt zu wenig offline-Aktivismus aus dem Netz, und bei der Betrachtung dessen, wie und wofür man schon gekämpft habe, sie der Krieg vielleicht schon verloren, aber natürlich trotzdem noch Raum für Hoffnung und Mut (Anne Roth). Zumindest kommt auch im Saal  keine Aufbruchs- oder Proteststimmung auf.

Dass die Digiges nur bei ihrem netzpolitischen Nachmittag nur für ihre eigenen Aktionen wirbt, ist offensichtlich dringend notwendig. Die Stimmung ist freundlich mittelmäßig, nach dem mein Bedarf an Wissen über Aktionen gedeckt war, ging ich – d.h., eine mögliche Publikumsdikussion habe ich wenn dann verpasst.

Wir finden uns darein, dass wir digital ausgespäht werden, dass die Anbieter unser Surfverhalten mnanipulieren wollen und womöglich auch können, d.h., wir formulieren keinen Widerspruch, wenn wir uns zu dem Event von Netzaktiven treffen.
Der Frosch im warmen Wasser spürt zwar Temperaturanstieg, aber er springt nicht raus, bis er tot ist.

Ok, vielleicht ist es unfair, sich hier nur auf Netzpolitik zu beziehen. Auch eine Forderung nach Schutzgesetzen für Roboter von Kate Darling in Robot Ethics wurde kein Thema für Kontroverse und Teresa Bückers Anregungen für eine Neugestaltung von Erwerbsarbeit trug sie zwar gut vor in Der Montag liebt dich, aber es wirkte ein wenig repetitiv und wenig spektakulär: Self Employment, Felixibilität und Abkehr von der Präsenzkultur sowie eine „Verweiblichung“ von Arbeitskultur… wie ich die Themen Feminismus und Netzfeminismus wahrgenommen habe, ist einen eigenen Blogbeitrag wert. (Offenbar war es schon ein Fortschritt, dass diese überhaupt/in diesem Ausmaß auf der re:publica vertreten waren). Die Zukunft der Gesundheitsversorgung: Internetmedizin in Deutschland war, obwohl als Diskussion angesetzt, direkt mal nur von den drei Gründern des Vereins für Internetmedizin besetzt und wurde weder für die reine Eigenwerbung auch vom Publikum nicht abgestraft noch in irgendeinem Ansatz (z.B. Gesundheitsdaten in der Cloud) so recht hinterfragt. Meine Frage nach der Positionierung zur Pharmaindustrie wollten die Präside nicht so recht beantworten (sie sähen diese wohl eher als Partner, sagte man mir später im persönlichen Gespräch).
Ach ja, und dann waren da noch die digital Natives ziehen in den Krieg, ein vielbebilderter Vortrag von den Militärbloggern Thomas Wiegold und Sascha Stolteonw, die uns nicht nur die Aktionen der Heckler & Koch Facebook Seite, sondern auch die Selbstdarstellung von Soldaten in sozialen Medien aufzeigten – mit Bildern, die aus Counterstrike kennt bekannt vorkommen. Sie selbst stellten die Fragen: wie sollen wir das finden? Wo sind die Grenzen? – Und hier war vielleicht einfach die Neuheit dieser Bilder, dieser Welt zu groß, als dass sich viele direkt zum Thema äußern hätten können oder wollen.

Ja, ich hatte Spaß und ich habe Anregungen bekommen. Es war ja auch meine erste re:publica. Aber ich hatte von der versammelten Intelligenz irgendwie mehr Diskussionsfreude oder Widerspruchsgeist erwartet. Menno! Es muss ja nicht gleich Kampfbereitschaft sein. Und Kuscheln gehört ja dazu, aber der Freiheitsgeist schien mir eher klein.

Gibt es womöglich einfach keine Kontroversen?

Nicht nur, dass keine Netz-Parteipolitiker sprachen (Teresa Bücker sprach nicht in ihrer Eigenschaft als Social Media Beauftragte der SPD Bundestagsfraktion), sie wurden auch nicht adressiert. Der Herr und die Dame von der Telekom auch später auf freiem Feld nicht (zumindest für mich erslcihtlich) angesprochen. Die Google Glasses und die Drohne über dem Hof zwar etwas mulmig kommentiert, aber das Harmoniebedürfnis schien größer. Ok, dann wenigstens nach außen.

Ich zumindest habe heute die Sammelverfassungsbeschwerde gegen die Bestandsdatenauskunft mit unterzeichnet und werde mich als nächstes mit der Netzneutralität auseinandersetzen.

Eine häufiger zitierte Aussage war die, dass Aktivismus aus der online Welt in die offline Welt weitergetragen werden müsse. Na, dann.

Is this the real life? Is this just fantasy?…

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Über liva2lox

bulls and bears of the absurd minds of thaddäus grotgen and some of his alter egos --- willkommen in meiner ideellen badestube! klistierspritzen für die seele - tauch’ eine weile unter die schaumkrone lauwarmer seifenfilosofie, verspür’ die erleichterung weltanschaulichen aderlassens oder salbadere bei einem ridikühlen getränk einfach mit in fremden blechzubern …hier bist du mit sicherheit.

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