Als ich einmal die Regierung feuerte (Ein Jahresrückblick)

2013 verstummte ich.

Alles, was ich schrieb, fürchtete ich, gesammelt zu werden, geclustert, kategorisiert, und gespeichert, gespeichert, gespeichert.

Ihr tatet nichts dagegen.
Weniger als nichts.

Ihr kauftet die Daten, ihr stelltet sie zur Verfügung; ihr wertetet sie aus, wenn sie andere sammelten.

Für die Sicherheit, sagtet ihr.

Für wessen?

Ich bin jetzt unsicherer als zuvor.

Meine Kritik wage ich nicht zu äußern, dann sie wird mit irgendeinem Schlagwort vertaggt, egal ob gleich oder künftig, und irgendwann, wenn es jemandem, der nicht ich sein werde, genehm ist, wird das Schlagwort mit Logik versehen, wird der Tag im Zusammenspiel mit vielen anderen Kriterien zum Sortierkriterium, für Unliebsamkeit, für Widerständigkeit, für das, was irh dann wollt, oder das, was irgendwelche Muster vorhersagen. Und irgendwann, wenn das Geld knapp ist und die sozialen Probleme groß, dann wird man schon Kriterien brauchen, einzuordnen und auszusortieren, wenn nicht im Strafrecht, dann um Leistungen zu verweigern, und dann wird die Krankenversicherung oder die Arbeitsagentur oder die Bank oder eine Einreisebehörde oder die Rentenversicherung, dann werden sie sagen: Sie nicht! Sie sind doch ein Sicherheitsverhinderer! und es bedarf vielleicht noch nicht mal eines Gesetzes dazu, es wird per Dienstverordnung geregelt werden.

Und die Transatlantiker wollen es eindämmen auf Gerichtsbeschlüsse hin, von Geheimgerichten, dass ich nicht lache, was ist an einem Geheimgreicht bitteschön demokratisch, wer sind die Richter, und von wem wohl bestellt? Geheimgerichte teilen keine Gewalt, sie einen sie.

Und ihr wisst das und tut es und tragt es mit und verteidigt es.

Die Grünen luden Flüchtlinge ein auf ihren Parteitag, das war schön, das erforderte keine Konsequenz, aber für die Datenfreiheit, da traten sie nicht ein.

Und damit habt ihr, ihr alle, euer Recht verwirkt, mich zu regieren.

Ich werde mich nicht mehr äußern. Vielmehr, nicht mehr kundtun, was ich wirklich denke; nicht mehr dort, wo ihr es mitbekommen könntet. Ihr werdet nicht mehr wissen, was ich meine, wirklich plane, in keiner Mail soll es stehen und auf keinem Rechner, vielleicht noch auf Papier. Vielleicht werde ich wieder mehr mit Leuten sprechen, aber das werde ich nicht als positive Seite der ganzen Sache sehen, denn ohne Freiheit gibt es kein Happy End.
Und ich werde jeden beglückwünschen, der es schafft, Euch zu schaden,  nein, keinem helfen, keinen dazu aufrufen, ich bin zu alt für den Kampf mit dem Strafgesetz; nur in mir drinnen, da wird Genugtuung sein.

Denn ich kündige Euch.

Auch wenn ihr noch glaubt, ich sei eine dieser Stützen, eine dieser bürgerlichen Existenzen, ich habt mich verloren. Und ich hoffe für Euch, ihr braucht niemals wirklich etwas von mir. Denn ich beteilige mich nicht mehr, ich bin bloß noch anwesend, in diesem Staat. Ich lege die Maske an und bin nicht mehr auffindbar. Alles, was ihr noch seht, könnt ihr getrost als Schauspiel betrachten, als falsche Fährten.

Und ihr da, die ihr nicht auf die Barrikaden gingt, die ihr zu grausamen 40% diese Supersicherheit wiederwähltet, ihr habt meine Solidarität verspielt. Jaja, ihr wusstet es ja sowieso, dass alles ausgespäht wird; auch mich wundert es nicht, und dennoch bin ich dagegen und empöre mich auch über das nicht Überraschende, ihr ‚Eh’nixändern‘-Könner, ihr.

Es wird euch nicht jucken, wenn ich gegen euch wettere. Aber wisst, dass ich euch nur noch anlüge, denn ich bin unsicher, und ich werde mich nicht mehr sicher fühlen, solange ihr mich scannt und speichert, einfach so. Ich spüre euren Verdacht, den Vorwurf, überhaupt sich verbergen zu wollen, und ich habe Angst, was ihr aus diesen meinen Worten machen werdet, nicht heute, irgendwann, aber ich will nicht nur innerlich migrieren, ich will wenigstens eurem Algorithmus entgegenschreien, mal schauen ob der auch meinen Irrealis versteht, meinen Konjunktiv, meine grammatische Tarnkleidung.

Denn ihr sollt es auch sein, unsicher, euch zumindest meiner.

——-

Nachtrag:

DeDer junge hochbegabte Whistleblower will es den Journalisten überlassen, was wann noch enthüllt werden sollte, die unsere moralischen Gradmesser zu bleiben scheinen, na besser noch die, als Geheimgerichte, doch auch sie schreiben ja nicht, wie sie wollen und denken, sind nicht freier als ich, nicht sicherer. Und wenn wir alle offen sprächen und damit nicht sicher wären und darauf pfiffen, dann, ja, wäre es dann besser oder fühlten wir uns nur weniger allein?

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Über liva2lox

bulls and bears of the absurd minds of thaddäus grotgen and some of his alter egos --- willkommen in meiner ideellen badestube! klistierspritzen für die seele - tauch’ eine weile unter die schaumkrone lauwarmer seifenfilosofie, verspür’ die erleichterung weltanschaulichen aderlassens oder salbadere bei einem ridikühlen getränk einfach mit in fremden blechzubern …hier bist du mit sicherheit.

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