Femischismus

Ich wollte mich wirklich gerne  nicht feministisch äußern. Sondern ganz allgemein, ganz neutral, alles sollte sachlich für sich sprechen. Es sollte beweisen, mir selbst wenigstens, dass es nicht notwendig ist, das Totschlagthema Sexismus zu bemühen, damit zu penetrieren.

Eine ganz einfache Erkenntnis ist mir gerade eben, heute, dazwischen gekommen. Ich bin mal wieder über irgendeine Quotenfrage gestolpert, auf Aus Liebe zur Freiheit. Weil Frauen auch im Netz unterrepräsentiert rezipiert werden, obwohl doch alles so basisdemokratisch-durchlässig ist und so weiter. Ansich, eine der weniger wichtigen Quotenfragen. Und auf meiner geistigen Tastatur tippte ich schon die Antwort:
Wir brauchen keine Quoten. Nirgends.
Und ich muss mich auch nicht ändern, nicht besser werden, nicht ihre Regeln spielen…
Wir brauchen andere Männer. Die (herrschenden) Herren müssen sich einfach ändern.
So einfach. So einfach?
Nein, das tun sie, natürlich, nicht einfach freiwillig.

Was fällt mir dabei aber plötzlich auf: Ich übe keinerlei Druck aus.
Null.
Ich bin so sachlich, so selbstbewusst-bescheiden, dass ich verdrängt habe, dass ich mich auch deshalb nicht mehr frauenrechtlich äußere, weil ich alleine deshalb eine Demontage meiner Äußerungen erwarte. Weil es mundtot macht, feministisch zu denken und auch noch zu argumentieren. Weil es mich zu einem „Opfer“ der postpatriarchalen Verhältnisse macht.
Und es tut auch niemand den ich kenne. Keine meiner intelligenten, selbstbewussten, kompetenten Freundinnen übt Druck aus. Auch wenn sie karrieretechnisch nach und nach abgehängt werden.

Aber es ist paradox, es nicht zu tun. Das wissen wir doch alle. Was wir herunterschlucken und lachen, wenn ein frauenentwürdigender Witz gerissen wird. Wie „Du Mädchen!“. Wir verdrehen uns dabei jeden Tag.
Was wir für Loopings drehen auf der Arbeit, bis uns jemand zuhört; mit der Gefahr, dass ein Mann uns dann gar noch den gelieferten Beitrag aus dem Mund heraus enteignet und als seinen eigenen aufgreift.

Ich mag auch keine Machoromane mehr lesen unter dem Vorwand, es sei Literatur. Ob es Frauenmörder oder  nur Casanovas sind, es ist entwürdigend, nichts anderes. Unter dem Feigenblatt, bestehende Umstände literarisch zu bearbeiten entrechtet und veropfert es…

Ich in doch bloß frustriert? Der Feminismus frisst seine Kinder?
Ja, da ist eine Menge Frust. Die Frage ist nur, aus welchem Grund. Es geht um die fehlende Selbstverständlichkeit von bestimmtem Erfolg im Leben. Erfolg in jenen Punkten, die nicht wirklich nur vom eigenen Fleiß oder Können abhängen. Sondern davon, welche Verhaltensweisen gezeigt werden düfen: Was sozial sanktioniert und was belohnt wird ist geschlechtsspezifisch. Demonstriertes Selbstbewusstsein (außerhalb von Sexappeal), Führungsanspruch, Lösungsdurchsetzung, Aggression, Humordominanz. Na, dämmert’s?

Benoit Groult hat einmal geschrieben: ‚entweder ich schreibe ein feministisches Buch oder ich bekomme einen Hautausschlag.‘ Einen Ausschlag kriege ich so und so, wenn ich mich mit dem Thema beschäftige,  und es raubt mir noch zusätzlich den inneren Frieden. Aber ich kann es nicht mehr länger verhindern.

Ich muss Druck machen.

Ob es mir passt oder nicht.

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Über liva2lox

bulls and bears of the absurd minds of thaddäus grotgen and some of his alter egos --- willkommen in meiner ideellen badestube! klistierspritzen für die seele - tauch’ eine weile unter die schaumkrone lauwarmer seifenfilosofie, verspür’ die erleichterung weltanschaulichen aderlassens oder salbadere bei einem ridikühlen getränk einfach mit in fremden blechzubern …hier bist du mit sicherheit.

4 Kommentare

  1. Pingback: Ich bin nicht eine „Frau als Mensch“ « die welt als wunstwerk

  2. Eine ganz einfache Erkenntnis ist mir gerade eben, heute, dazwischen gekommen. Ich bin mal wieder über irgendeine Quotenfrage gestolpert, auf Aus Liebe zur Freiheit. Weil Frauen auch im Netz unterrepräsentiert rezipiert werden, obwohl doch alles so basisdemokratisch-durchlässig ist und so weiter.

    Möchtest Du die Menschen zwingen, mehr weibliche Blogs zu lesen? Deine Überschrift ist wohlgewählt. Es ist das Recht der Internetuser, die Blogs oder Seiten zu rezipieren, die sie möchten.

    Möchtest Du diese Freiheit beschneiden?

    Wer sind denn die „herrschenden Männer“? Wie sollen sie sich ändern? Und wie soll dies vonstatten gehen? Zeichnest Du hier den Weg in die Diktatur?

    Es ist im übrigen nichts per se Verwerfliches, wenn Frauen im Netz weniger rezipiert werden. Wie kommst Du auf seriösem Weg zu solch einer Feststellung?

  3. liva2lox

    @James T. Kirk,

    Du hast Deine Eingangsfrage so formuliert, dass es eigentlich nur eine Antwort geben kann – aber trotzdem sage ich nicht uneingeschränkt nein :-)

    Es hängt davon ab, wer warum rezipiert – geht es nur um meine Privatmeinung? Ja, dann darf jeder das äußern, kommentieren und zitieren, was er möchte. Insbesondere setze ich aber nicht auf Zwang als Mittel der Verhaltensänderung, sondern auf Bewusstmachung – und auch auf sozialen Druck.

    Mit Deiner Aussage:
    „Es ist im übrigen nichts per se Verwerfliches, wenn Frauen im Netz weniger rezipiert werden. Wie kommst Du auf seriösem Weg zu solch einer Feststellung?“

    fragst Du vermutlich nach, wie ich überhaupt zur Feststellung komme, Autorinnen würden weniger rezipiert, richtig? Wie beschrieben und verlinkt, habe ich diese Aussage zitiert vom o.g. Blog: Aus Liebe zur Freiheit (den Beitrag hast Du ja ebenfalls kommentiert). Ausgangspunkt war u.a. ein Interview des elektrischen Reporters mit Anke Domscheidt-Berg (hier: http://www.elektrischer-reporter.de/phase3/video_flash/242), im Freitag findest Du z.B. etwas dazu von Anne Roth (http://www.freitag.de/alltag/0948-frauen-maenner-bloggen-blogosphaere-republica-vernetzung).

    Per se ist es nichts Verwerfliches, wenn Frauen weniger rezipiert werden, nein, wie es per se auch nichts Verwerfliches ist, wenn eine Frau mal weniger verdient als ein Mann in vergleichbarere Position & Qualifikation etc. In Summe lassen entsprechende Schieflagen jedoch auf einen systematischen Fehler rückschließen. Meine Interpretation desselben ist, dass dies an Fehlern im System liegt. Das habe ich relativ ausführlich im letzten Beitrag „Ich bin nicht eine Frau als Mensch“ beschrieben, daher wiederhole ich es hier erst mal nicht.

    Etwas zu ändern, evtl. sogar Privilegien zu beschneiden bedeutet nicht gleich Diktatur – dieser Anwurf ist reine Rhethorik, wie Dir sicherlich klar ist.
    An manchen Punkten ist Regulation sinnvoll oder gar notwendig – ich lehne Systeme die alleine auf dem „Recht des Stärkeren“ beruhen eindeutig ab.
    Zu unserem Thema: Hier könnte ich mit Maßnahmen wie z.B. einer Quotenregelung ab einer gewissen Unternehmensgröße leben (bei ausreichender Qualifizierung & nicht erst auf der Aufsichtrsratsebene – geeignete Kandidatinnen müssen sich ja aufbauen). Es wäre zu prüfen, welche weiteren Maßnahmen geeignet sein könnten. Ob ich Quoten bei Blogcharts sinnvoll finde, dazu habe ich derzeit noch keine Meinung.

    Jedenfalls kann es nie nur Regulation sein, sondern es ist eine geistige Entwicklung (bei vielen Männern und Frauen) notwendig, um gewohnte Denk- und Verhaltensstrukturen zu ändern.
    Mein eigentlicher Punkt in diesem Beitrag war, dass diese Haltungsänderung in meinem persönlichen Umfald zu wenig eingefordert wird von jenen, die ein Interesse daran haben (wie z.B. von mir selbst).

  4. Angelika

    nur zur info : dieser JTK ist ein troll/macht u.a. derailing und darf bei der maedchenmannschaft auch/nicht posten.

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